Thurgauer Kirche macht Rekordgewinn

Die Synode der Evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau verbschiedete die Jahresrechnung 2019. Diese schloss deutlich besser ab als budgetiert. Viel Kritik setzte es an der Versammlung für die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz ab.


Die Evangelische Landeskirche des Kantons Thurgau hat im vergangenen Jahr ein finanzielles Polster erwirtschaftet. Die Jahresrechnung 2019 schloss mit einem Plus von rund einer halben Million Franken und lag damit weit über dem budgetierten Verlust von rund 100’000 Franken. Dies entspreche einem «Allzeit-Rekord», wie es in einer Mitteilung der Landeskirche vom 30. Juni heisst.

Zurückzuführen ist der Gewinn auf höhere Steuereinnahmen und geringere Ausgaben. Als «willkommene Reserve» für die Auswirkungen der kantonalen Steuerreform und der Corona-Krise werde der Überschuss vollumfänglich dem Eigenkapital zugeschlagen, heisst es in der Mitteilung weiter.

Entscheid über Fachstelle Musik vertagt

Daneben befasste sich das Kirchenparlament an seiner Versammlung vom 29. Juni mit weiteren Sachgeschäften. Zu einem hauchdünnen Entscheid kam es bei der Beratung über die Fachstelle Musik in der Kirche. Der Kirchenrat wollte die seit drei Jahren befristete Fachstelle in eine unbefristete Stelle mit gleichbleibenden 40 Stellenprozenten überführen. Dies stiess bei der Geschäftsprüfungskommission jedoch auf Widerstand.

Aufgrund der finanziellen Aussichten sei es besser, den Beschluss auf die nächsten Budgetverhandlungen für das Jahr 2021 zu verschieben, argumentierte die Kommission laut Mitteilung. Obwohl die Fachstelle bei den Synodalen viel Rückhalt fand, stimmte schliesslich eine knappe Mehrheit von ihnen für den Antrag der Geschäftsprüfungskommission.

«Jämmerlich schiefgelaufen»

Eine positive Bilanz zog das Kirchenparlament über die Arbeit des Kirchenrats während der Corona-Krise. Die enge Zusammenarbeit der Kantonalkirche mit den Kirchgemeinden während der Krise sei rundum positiv wahrgenommen worden, sagte Synodepräsidentin Judith Hübscher gemäss Mitteilung.

Weniger Lob gab es hingegen für das Corona-Krisenmanagement der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS). Auf nationaler Ebene habe sie vor allem ein «Vakuum» festgestellt, sagte Hübscher. Ein anderer Synodaler fragte rhetorisch, wo die EKS in der schwierigsten Zeit denn gewesen sei.

Kirchenratspräsident Wilfried Bührer bedauerte, dass die Startphase der EKS aufgrund des Skandals um den Rücktritt von Gottfried Locher «jämmerlich schiefgelaufen» sei. Er wolle aber weiterhin für den begonnenen EKS-Prozess einstehen. Gerade für die Thurgauer Kirche sei dieser Prozess wichtig, um nicht zwischen den grossen Kirchen unterzugehen. (no)