Syrien
«Ihr seid die Nächsten» – Hilfswerk meldet christenfeindliche Vorfälle
Anlässlich eines Besuchs des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin hat das Hilfswerk «Open Doors» auf die Einschüchterung von Christen in Syrien aufmerksam gemacht. So sei in Aleppo nach den Kämpfen zwischen Kräften der Regierung und der kurdischen SDF-Miliz eine Kirchenwand im Februar mit einer mutmasslich gegen Christen gerichteten Drohparole besprüht worden.
Die Parole lasse sich sinngemäss mit «Ihr seid die Nächsten» wiedergeben, teilte das Hilfswerk dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit. Ähnliche Aufschriften seien auch an weiteren Kirchen und im öffentlichen Raum in mehrheitlich christlich bewohnten Orten festgestellt worden.
«Eine solche Botschaft verbreitet Angst», so die Äusserung einer Kirchenmitarbeiterin in Aleppo. «Open Doors» sammele die Nachrichten vor Ort durch Vertreter in der Region. Mitte Februar habe ein Mann die syrisch-katholische Kirche im Dorf Qatana westlich von Damaskus während des Gottesdienstes betreten und die Gläubigen lautstark dazu aufgerufen, zum Islam überzutreten. Polizisten hätten ihn abgeführt, aber das bedrohliche Erlebnis bleibe im Ort in Erinnerung.
Ebenso habe eine Gruppe von Männern in der überwiegend christlichen Stadt Saydnaya nördlich von Damaskus auf einem Platz die syrische Nationalflagge heruntergerissen, eine islamische Flagge mit der Aufschrift «Es gibt keinen Gott ausser Allah» gehisst und «Allahu Akbar» gerufen. Nach einer verbalen Konfrontation hätten der Bürgermeister und Sicherheitskräfte eingegriffen und die Flagge entfernt. Christen im Ort hätten die Tat als Gefährdung des öffentlichen Friedens empfunden.
Kurz darauf hätten Männer eine ähnliche Flagge in Bloudan, einem Dorf mit ebenfalls mehrheitlich christlicher Bevölkerung nordwestlich von Damaskus, gehisst. Christen fühlten sich verunsichert, insbesondere nach dem Selbstmordanschlag auf die Mar-Elias-Kirche in Damaskus im vergangenen Juni mit zwei Dutzend Toten, fasste das Hilfswerk zusammen. (epd/ no)