Drei Jahre Krieg im Sudan

Wenig Hoffnung auf Frieden

Hunger, Vertreibung, ethnische Gewalt: Fachleute haben wenig Hoffnung auf ein rasches Ende der Kämpfe im Sudan. Wie geht es den Menschen? Was kann die Sudan-Konferenz erreichen? Ein Überblick über die wichtigsten Fragen.
Über zwölf Millionen Menschen wurden durch die Kämpfe im Sudan vertrieben. Allein im Flüchtlingslager Aboutengé in Tschad leben rund 50'000 Menschen. (Bild: Eva Krafczyk/ Keystone)

Wie ist die Lage im Sudan?

Seit drei Jahren herrscht im Sudan ein erbitterter Machtkampf, ausgetragen zwischen der regulären Armee und den paramilitärischen «Rapid Support Forces» (RSF). Der Krieg begann am 15. April 2023 und weitete sich auf grosse Teile des nordostafrikanischen Landes aus.

Einst waren die heutigen Widersacher Verbündete. Armeegeneral Abdel Fattah al-Burhan und Mohamed Hamdan Dagalo, der Oberbefehlshaber der RSF-Miliz, putschten 2021 gemeinsam gegen eine aus Zivilisten und Militärs zusammengesetzte Übergangsregierung. Sie war 2019 auf den autoritären Langzeitherrscher Omar Al-Baschir gefolgt.

Auch Regionalmächte sind in den Konflikt involviert, was eine Lösung schwieriger macht. Den Vereinigten Arabischen Emiraten wird vorgeworfen, die RSF-Miliz mit Waffen zu versorgen. Die Armee wiederum wird laut der Analystin Shewit Woldemichael von der Denkfabrik Crisis Group unter anderem von Ägypten, der Türkei, Iran und zunehmend auch Saudi-Arabien unterstützt.

Wie geht es der Bevölkerung?

Der Krieg hat eine der schwerwiegendsten humanitären Krisen der jüngeren Vergangenheit ausgelöst: Mehr als 33 Millionen Menschen sind laut den Vereinten Nationen auf Hilfe angewiesen. Dem UN-Welternährungsprogramm zufolge leiden mehr als 21 Millionen Menschen unter akutem Hunger, etwa 41 Prozent der Bevölkerung. Über zwölf Millionen Menschen wurden demnach durch die Kämpfe vertrieben.

Zivile Infrastruktur, darunter Gesundheitseinrichtungen, gerät immer wieder unter Beschuss. Allein bei einem Drohnenangriff auf ein Krankenhaus in der Darfur-Region wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisationen (WHO) Ende März mindestens 64 Menschen getötet und knapp 90 weitere verletzt. Zehntausende Menschen wurden Schätzungen zufolge insgesamt seit Kriegsbeginn getötet.

Vor allem aus Darfur dringen zudem immer wieder Berichte über ethnisch motivierte Massaker und Gräueltaten der RSF nach aussen (ref.ch berichtete). Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen sieht in dem Vorgehen der Miliz sogar Anzeichen für einen Genozid.

Nicht zuletzt ist der Krieg ein Rückschlag für die Zivilgesellschaft, die jahrelang für eine Demokratisierung des Landes gekämpft hatte – und mit der Absetzung Al-Baschirs im Jahr 2019 auf meinen freieren Sudan hoffte.

Gibt es Aussichten auf ein Ende des Krieges?

Alle bisherigen diplomatischen Initiativen für ein Ende des Krieges waren erfolglos. Auch mit dem Eintreten in das vierte Kriegsjahr gibt es laut der Politikwissenschaftlerin Hager Ali wenig Hoffnungen. Für ein Ende des Krieges sei eher ein Zeithorizont von «fünf Jahren oder mehr» realistisch, sagte die Forscherin vom Hamburger Giga-Institut dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Dies liege daran, dass alle Teile des Landes vom Krieg betroffen seien. Zudem seien in vielen Regionen neben den beiden Hauptkonfliktparteien weitere Milizen und Akteure involviert, sagte Ali. Dies habe zur Folge, dass weder die Armee noch die RSF überhaupt
Herr über die Lage werden könnten.

Militärisch sei die Gesamtlage «weiterhin eine Pattsituation für beide Seiten», sagte Ali. Man stecke an vielen Fronten in einem «Zermürbungskrieg» fest.

Was ist bei der Sudan-Konferenz in Berlin geplant?

Die Bundesregierung lädt für Mittwoch zu einer internationalen Sudan-Konferenz in Berlin ein. Im Kern geht es darum, Aufmerksamkeit und mehr Hilfe für die Bevölkerung zu mobilisieren und Wege aus dem Krieg zu finden. Deutschland richtet das Treffen gemeinsam mit der Europäischen Union, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, den USA und der Afrikanischen Union aus. Es ist das dritte Treffen dieser Art. 2025 war London Gastgeber der Konferenz, im Jahr davor Paris.

Die Diakonie Katastrophenhilfe dringt vor der Konferenz auf mehr Geld für die Nothilfe. Es brauche eine internationale Kraftanstrengung, «um der derzeit grössten humanitären Katastrophe wirksam zu begegnen», sagte die Präsidentin des evangelischen Hilfswerks, Dagmar Pruin.

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