Streit um Glockenschlag in Thalwil geht in die Verlängerung

Weil sich Anwohner am nächtlichen Glockenschlag der Kirche im Zürcherischen Thalwil störten, stellte die Kirchgemeinde diesen zwischen 22 und 6.15 Uhr ein. Für die Gegner kommt der morgendliche Glockenschlag aber immer noch zu früh.


Im Frühling hatte es so ausgesehen, als ob sich die Parteien einigen könnten. Die Kirchenpflege der reformierten Kirchgemeinde Thalwil hatte damals beschlossen, den nächtlichen Glockenschlag ihrer Kirche von 22 bis 7 Uhr abzustellen. Sie kam damit einer Forderung von rund 130 Anwohnerinnen nach, die mit einer Unterschriftensammlung gegen das nächtliche Läuten protestiert hatten.

Seit August ist von der reformierten Kirche nachts deshalb kein Glockenschlag mehr zu hören. Erst morgens um 6.15 Uhr ertönt der erste Viertelstundenschlag. Doch dies gibt bereits wieder Anlass zu Streit.

Laut einem Bericht der Limmattaler Zeitung vom 16. September zeigte sich Patrizia Salzmann, Anwohnerin und Initiantin der Unterschriftensammlung, enttäuscht darüber, dass der Glockenschlag bereits um 6.15 Uhr erklinge statt wie angekündigt um 7 Uhr. Dies sei anders vereinbart gewesen und grenze damit an Wortbruch, wird Salzmann zitiert.

Kirchenpflege spricht von «Missverständnis»

Die Kirchenpflege Thalwil spricht in einer Stellungnahme von einem «Missverständnis», wie die Zeitung weiter berichtet. Demnach sei immer der erste Stundenschlag auf 7 Uhr geplant gewesen, nicht der erste Viertelstundenschlag. Mit dem Einsetzen des Glockenschlags um 6.15 Uhr sei man bestrebt gewesen, allen Seiten entgegen zu kommen. So diene der frühe Glockenschlag vielen Thalwilerinnen als Signal, den Weg zum Bahnhof in Angriff zu nehmen oder die Kinder für die Schule bereit zu machen.

Zumindest für eine Woche kommt der Streit um das Glockenläuten nun aber zum Erliegen. Weil die Kirchenpflege die Klöppel im reformierten Kirchturm durch neue ersetzen will, verstummt das Glockengeläut für rund eine Woche teilweise. Bis zum Einsatz der neuen Klöppel seien dann nur die Stundenschläge der Kirche zu hören, da diese – anders als die Viertelstundenschläge – durch einen Hammer erzeugt würden, berichtet die Zeitung weiter. (no)