Wädenswiler Glocken läuten weiter – Kirchgemeinde spart viel Geld

Die reformierte Kirche Wädenswil muss nun doch nicht auf den nächtlichen Viertelstunden-Glockenschlag verzichten. Der Kirchgemeinde bleiben somit hohe Kosten erspart.

Kirchenglocken lassen sich nicht einfach Umstellen. Es ist aufwendig und mit hohen Kosten verbunden. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Die Kirchenglocken von Wädenswil dürfen während der Nacht weiterhin alle 15 Minuten schlagen. Das Bundesgericht hat eine Beschwerde der Stadt und der reformierten Kirchgemeinde Wädenswil am 13. Dezember gutgeheissen.

Das Bundegericht hebt damit einen Entscheid des kantonalen Baurekursgerichts auf, das 2015 eine Einstellung der Viertelstundenschläge zwischen 22 und 7 Uhr verfügte. Ein Ehepaar, das in der Umgebung der reformierten Kirche lebt, hatte sich darüber beschwert. Die Kirchenpflege zog das Urteil weiter ans Bundesgericht.

Umstellung würde 20’000 Franken kosten

Der Entscheid hätte nicht nur die Viertelstundenschläge verstummen lassen, sondern auch massive Kosten für die Kirchgemeinde verursacht, erklärt Peter Meier, der Präsident der Wädenswiler Kirchenpflege gegenüber ref.ch. «Das Umstellen der Kirchenglocken ist sehr aufwendig. Dahinter steckt viel Mechanik und auch die Denkmalpflege kommt erschwerend hinzu. Es würden Kosten in der Höhe von über 20‘000 Franken entstehen.»

Entsprechend erleichtert ist Peter Meier über den Bundesgerichtentscheid. In einer repräsentativen Umfrage, welche die Kirchenpflege in Auftrag gegeben hatte, sprachen sich laut Meier 97 Prozent der Bevölkerung für das Geläut aus. «Das Bundesgericht habe mit seinem Entscheid das Bedürfnis der Bevölkerung respektiert», sagt Meier.

Ohne Glocken nicht mehr Ruhe

In seiner Mitteilung vom 13. Dezember erklärt das Bundesgericht, dass es für seine Entscheidungsfindung das Ruhebedürfnis der Bevölkerung gegenüber dem Interesse am Glockenläuten abgewägt habe. Die Vorinstanzen hatten sich auf eine ETH-Studie von 2011 gestützt, welche die Störwirkung von Kirchenglocken untersuchte.

Das Bundesgericht bezweifelt in der Mitteilung die Aussagekraft dieser Studie: «Es ist nicht davon auszugehen, dass sich durch die Einstellung der Viertelstundenschläge in der Nacht eine nennenswerte Verbesserung ergeben würde.»

Weiter argumentierte das Bundesgericht damit, dass der nächtliche Glockenschlag in Wädenswil fest verwurzelt und damit eine lokale Tradition sei. Ausserdem haben laut Bundesgericht 2000 Personen eine Petition zur Beibehaltung des Geläuts unterzeichnet.

Vorerst bleibt also in Wädenswil alles beim Alten. «Momentan läuten die Glocken weiter. Wir machen einen Schritt nach dem anderen. Das Bundesgericht hat sorgfältig gearbeitet und die Tradition stark gewichtet», sagt Meier. Doch auch er weiss: «Nichts ist für die Ewigkeit.» (pd)