Stadtzürcher Reformierte: Eine Gemeinde könnte aus Reform ausscheren

Die Stadtzürcher Zentralkirchenpflege hat am 28. Januar einstimmig grünes Licht für die Umsetzung der Strukturreform gegeben. Der Zeitplan ist ehrgeizig - bereits am 1. Januar 2019 soll es in der Stadt Zürich nur noch eine Kirchgemeinde geben. Die Kirchgemeinde Oberengstringen muss sich entscheiden: Will sie auch weiterhin zum reformierten Stadtverband Zürich gehören?

Die Stadtzürcher Reformierten starten mit einem in der jüngeren Geschichte noch nie da gewesenen Reformprozess. Im Bild: Die Spitzen des Zürcher Grossmünsters. (Bild: Wikimedia)

Am 1. Januar 2019 – 500 Jahre nachdem Huldrych Zwingli sein Amt als Leutpriester antrat – soll Realität sein, was die reformierte Stimmbevölkerung der Stadt Zürich am 28. September 2014 deutlich beschlossen hat: Die Reorganisation der 34 Kirchgemeinden auf Stadtgebiet (inkl. Oberengstringen) zu einer einzigen Kirchgemeinde. Dies schreibt der Verband der stadtzürcherischen evangelisch-reformierten Kirchgemeinden in einer Mitteilung.
Andreas Hurter, Präsident des Reformierten Stadtverbandes und Gesamtprojektleiter Reform, habe dazu in den vergangenen Monaten mit einer Vorbereitungsgruppe und im Austausch mit Kirchenrat, den Verantwortlichen der Kirchgemeinden, den Mitarbeitenden, der Pfarrschaft und externen Fachkräften das Vorgehen erarbeitet und den Projektauftrag formuliert. Unter Hurters Leitung werden in der Projektsteuerung neben Kirchenverantwortlichen und Mitarbeitenden auch Fachkräfte aus der Privatwirtschaft Verantwortung übernehmen.

Grossgruppenkonferenzen sollen Partizipation garantieren

In der ersten Umsetzungsphase soll es darum gehen, was die Reformierte Kirche Zürich «leisten möchte und leisten könne». An dieser Diskussion nehmen im Rahmen der beiden ersten Grossgruppenkonferenzen vom 7. März und 13. Juni je 200 Personen teil. Die Ergebnisse werden darauf in der Projektsteuerung sowie in den Kirchgemeinden und Fachgremien gespiegelt. Eine weitere Grossgruppenkonferenz zum Thema «Governance/Teilstruktur» findet am 26. September statt. Als Resultat daraus sollen anfangs 2016 die neuen Kirchenkreise, auch «Teilgemeinden» genannt, definiert werden. Im selben Jahr soll es dann an zwei weiteren Konferenzen um die Fachkonzepte und die institutionellen Grundlagen gehen. Im Frühling 2016 wird dann die Zentralkirchenpflege über die neue Kirchgemeindeordnung abstimmen.

Oberengstringen: Bleiben oder austreten?

Um aus den bisher 34 Kirchgemeinden eine zu machen, sind Gesetzesanpassungen nötig. Auf Kantonsebene müssen das Kirchengesetz und die Kirchenordnung angepasst werden, um in der Stadt ein Parlament installieren und sonstige Änderungen im Bereich Teilstruktur vornehmen zu können. Die reformierten Stimmberechtigen der Stadt Zürich werden Ende 2016 zudem die neue Kirchgemeindeordnung und die Synode den definitiven Zusammenschluss der Kirchgemeinden beschliessen können. Weiter muss die Bevölkerung von Oberengstringen bis 2016 klären, ob sie weiterhin zur reformierten Kirche der Stadt Zürich oder zu jener des Limmattals gehören möchte. Der Grund: Die nicht auf dem Stadtgebiet gelegene Kirchgemeinde Oberengstringen hat den Fusionsplänen nicht zugestimmt.

Kosten und Ziele

Für die Umsetzung der Reform sind im Finanzplan bis Ende 2018 Kosten von 6,2 Millionen Franken budgetiert. 2015 fallen rund 950‘000 Franken an. Ziele der Strukturreform seien «die Stabilisierung des Finanzhaushalts sowie eine stärkere Ausrichtung des kirchlichen Wirkens auf die Bedürfnisse der Bevölkerung», wie die Verantwortlichen in der Mitteilung schreiben.

 

Zum ref.ch-Interview mit dem Stadtsverbandspräsidenten Andreas Hurter vom 18. Dezember 2014

 

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