Mit diesem klaren Resultat rechnete wohl niemand: Die reformierte Stimmbevölkerung in der Stadt Zürich hat sich dafür ausgesprochen, sich künftig in einer zentralen Kirchgemeinde organisieren zu wollen. Die Stimmbeteiligung in den einzelnen Kirchgemeinden lag zwischen 23 und 44 Prozent.
Wie der reformierte Stadtverband in einer Mitteilung schreibt, werden nun auf Stadtebene aus den 33 Kirchgemeinden und Oberengstringen nun eine Kirchgemeinde mit einer noch nicht bestimmten Zahl Teilgemeinden gebildet. Dabei sollen die Liegenschaften zentral verwaltet werden.
Rasche Umsetzung gefordert
In einer Mitteilung schreibt das Fusionsbefürworter-Komitee, dass die «Angst- und Schlagwortkampagne der Gegner» die reformierte Stimmbevölkerung nicht überzeugt habe. Nun müsse die Strukturreform umgehend an die Hand genommen werden Die Landeskirche stehe in der Pflicht, die nötigen Schritte zu unternehmen. Es müsse «sofort ein Fusionsgesuch mit den nötigen Anpassungen der Kirchenordnung an die Kirchensynode und den Kirchenrat» eingereicht werden.
Widersprüchliche Worte
Der Präsident des reformierten Stadtverbandes, Andreas Hurter, sprach von einem «klaren Auftrag vom Volk» und betonte, wie wichtig die Klarheit des Entscheides sei. Eher widersprüchlich waren dann aber die Worte, die folgten: So sagte Hurter, dass es «keine Gewinner und Verlierer» gäbe und die Befürworter einer Fusion gut daran täten, eine Fusion nicht einfach «durchzuziehen», sondern auch die «Minderheitenposition» zu berücksichtigen. Der «Minderheitenposition» folgte einzig der Souverän von zwei der 34 Kirchgemeinden. Den Zeitplan der Umsetzung skizzierte der Stadtverbandspräsident wie folgt: «In der laufenden Legislatur soll alles so vorbereitet werden, dass 2019 in der neuen Struktur gearbeitet werden kann.»
Fusionsgegner Bollier kündigt Rückzug aus Reformprozess an
Jean E. Bollier, Fusionsgegner und Präsident des «Modell 2»-Komitees, sprach von einer «grossen, persönlichen Enttäuschung». Er nehme das Resultat «zur Kenntnis». Das «Modell 2» sah vor, dass zwar grössere Kirchgemeinden gebildet, nicht aber die bisherigen Strukturen angetastet werden. Selbst Bolliers Kirchgemeinde, in der er als Kirchenpflegepräsident amtet, stimmte einer Fusion klar zu. Bollier kündigte zudem an, dass er an einem künftigen Reformprozess nicht mitarbeiten werde – auch nicht als Fusionskritiker: «Der Fall ist für mich abgehakt». Trotz Niederlage bewies der Fusionsgegner Humor, als er scherzhaft anmerkte, dass er sich nun einen Umzug nach Oberengstringen ernsthaft überlegen müsse.
Die Gemeinde Oberengstringen war zusammen mit Witikon die einzige Kirchgemeinde, welche den Fusionsplänen nicht zustimmte. Oberengstringen ist die einzige Kirchgemeinde, die aus historischen Gründen dem reformierten Stadtverband Zürich angehört, aber nicht auf Stadtgebiet liegt.