Die Gesamtkirchgemeinde Bern muss sparen. Rund 50’000 Mitglieder hat sie heute noch. Vor dreissig Jahren waren es noch mehr als 80’000. Viele Liegenschaften der Kirche werden kaum oder nur ungenügend genutzt. Sie belasten die Bilanz enorm. Seit 2014 fährt die Gesamtkirchgemeinde deshalb einen harten Sparkurs: Bis 2023 sollen die zwölf Kirchgemeinden der Stadt die Kosten für ihre Liegenschaften halbieren. Statt 11 Millionen Franken wie bisher stehen für die Liegenschaften der Kirchgemeinden dann nur noch 5,5 Millionen Franken zur Verfügung.
Ernüchternde Zwischenbilanz
Die Weichen dafür wurden bereits 2014 gestellt. Damals sprach sich das Parlament der Gesamtkirchgemeinde einstimmig für eine neue Liegenschaftsstrategie aus. Demnach sollten die Kirchgemeinden nach Lösungen suchen, wie sie ihre Liegenschaften rentabler bewirtschaften können. Gebäude, die von den Kirchgemeinden nicht mehr selbst benutzt werden, sollten an die Gesamtkirchgemeinde abgegeben werden. Diese hatte dann die Wahl, die Gebäude zu vermieten, zu verkaufen oder gar abzureissen.
Eine erste Zwischenbilanz 2016 fiel ernüchternd aus. Die gewünschten Einsparungen waren bei weitem nicht erreicht worden. Der Kleine Kirchenrat (Exekutive) beauftragte deshalb einen Ausschuss damit, einen konkreten Umsetzungsplan zuhanden der Kirchgemeinden auszuarbeiten. Dieser definierte unter anderem Vorgaben, wie die Sparziele zu erreichen seien. Weiter wurden die Kirchgemeinden gebeten, bis Ende März dieses Jahres zu dem Papier Stellung zu nehmen.
Klagen über Spardruck
Schon jetzt ist klar, dass die überarbeitete Strategie auf viel Kritik treffen wird. Vor allem die Pro-Kopf-Beiträge an die Liegenschaftskosten der Kirchgemeinden sorgen für Unmut. Statt wie vorgesehen die Mitgliederzahlen von 2013 als Berechnungsgrundlage zu nehmen, habe die Gesamtkirchgemeinde aktuelle Zahlen unterlegt, kritisieren die Kirchgemeinden. Da die Mitgliederzahlen inzwischen weiter zurück gegangen seien, seien die Beiträge nun noch geringer.
Dabei sei der Spardruck schon gross genug, sagt Daniel Fischer, Präsident der Kirchgemeinde Bethlehem im Berner Westen. Dass man nun noch mehr sparen will als vorgesehen, ist für ihn inakzeptabel. «Ich sehe nicht ein, wo wir noch weiter sparen können. Viele unserer Liegenschaften haben wir schon abgegeben», sagt er.
Fischer stösst sich daran, dass bei der Berechnung der Beiträge lediglich die Anzahl reformierter Mitglieder einer Kirchgemeinde berücksichtigt würden. In Bethlehem sei der Anteil der Reformierten rückläufig, das Quartier sei multikulturell geworden. «Unsere Angebote sind aber für alle da. Das wird in der Rechnung ausgeblendet», sagt er.

Schmerzhafter Einschnitt: Um Kosten zu sparen, müssen die Stadtberner Kirchgemeinden auf einen Teil ihrer Liegenschaften verzichten. Die Kirchgemeinde Matthäus verkaufte das Gebäudeensemble Rossfeld bereits an die Stadt. (Bild: Andreas Peier)