Religionsunterricht

St. Galler Kirchen verlieren Schulfach

Die St. Galler Regierung hat entschieden, dass künftig nur noch die Schulen das Fach Ethik, Religion und Gemeinschaft unterrichten dürfen. Vorher konnten die Schüler wählen, ob sie das schulische oder das kirchliche Angebot besuchen wollten. Die Kirchen bedauern den Entscheid.

Seit drei Jahren mussten sich Schülerinnen in St. Gallen entscheiden, ob sie beim Fach Ethik, Religion und Gemeinschaft (ERG) das Angebot der Schule oder dasjenige der Kirche besuchen wollten. Diese St. Galler Speziallösung kam nicht bei allen gut an. Im Mai wurde eine Motion eingereicht, die verlangte, dass das Fach künftig nur noch von der Schule angeboten werden soll.

Bildungspolitiker aus fünf Parteien hielten damals in einer Stellungnahme fest, dass es aus pädagogischer Sicht wichtig sei, dass ERG in der ganzen Klasse gemeinsam behandelt werde. Dies etwa, um eine Trennung zwischen christlichen und andersgläubigen oder konfessionslosen Kindern zu vermeiden. Auch sei es nicht mehr zeitgemäss, den Konfessionen ein solches Gewicht zu geben. Ausserdem bedeute die Zweiteilung einen grossen Aufwand für die Schulen.

«Grosse Investitionen umsonst»

Nun hat der St. Galler Regierungsrat entschieden, dass ERG vollständig in der Kompetenz der Schule liegen soll. Zugleich dürften die Kirchen weiterhin freiwilligen konfessionellen Religionsunterricht anbieten.

Die katholische und die reformierte Kirche halten in einer gemeinsamen Medienmitteilung vom 20. November fest, dass sie die Entscheidung der Regierung bedauern. Sie hätten es begrüsst, wenn die Schülerinnen und Schüler weiterhin eine Wahl gehabt hätten. Ausserdem seien die «grossen Investitionen» der Kirchen für den Lehrplan und die Weiterbildung der Lehrpersonen nun umsonst gewesen.

Religionsunterricht ausbauen

Allerdings freuen sich die Kirchen darüber, dass ERG als Fach erhalten bleibe. Sie wollten auch weiterhin «zu einer konstruktiven Zusammenarbeit» beitragen und ihren «Beitrag zur ethisch-religiösen Bildung» leisten. Zudem nähmen sie das Angebot gerne an, den Religionsunterricht auszubauen. Dabei hoffen die Kirchen auf eine gute Zusammenarbeit mit den Schulgemeinden, damit die entsprechenden Lektionen nicht nur in die Randstunden fallen. (mos)