Zürcher Landeskirchen fordern mehr Stunden für Religionsunterricht

Der Kanton Zürich will an den Gymnasien das Pflichtfach «Religionen, Kulturen, Ethik» einführen. In ihrer Vernehmlassungsantwort begrüssen die Zürcher Landeskirchen diesen Entscheid zwar. Die vorgesehenen zwei Semesterlektionen seien jedoch deutlich zu wenig.


Der Kanton Zürich will seine Gymnasien fit für die Zukunft machen. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf hat der Regierungsrat Ende Mai in die Vernehmlassung geschickt. Das Projekt «Gymnasium 2022» sieht vor, dass die Kantonsschulen ihren Unterricht auf den Lehrplan 21 abstimmen und die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) stärken; zudem ist die Einführung eines Pflichtfaches «Religionen, Kulturen, Ethik» geplant.

Ausgerechnet bei den Landeskirchen stösst diese Neuerung nun aber auf Kritik. In ihrer Vernehmlassungsantwort begrüssen die Reformierte und die Katholische Kirche des Kantons Zürich sowie der Interreligiöse Runde Tisch (IRT) zwar grundsätzlich die Einführung eines Pflichtfaches «Religionen, Kulturen, Ethik». Sie bemängeln aber, dass das Fach mit zwei Semesterlektionen deutlich unterdotiert sei.

«Nach Ansicht der Kirchen und der IRT verlangt ein Obligatorium auch eine angemessene Dotation», heisst es in einer Mitteilung vom 29. September. Konkret schlagen die Kirchen sechs Semesterlektionen für das Fach vor. Dies sei angemessen, weil in dem Fach nicht nur Fakten vermittelt würden, sondern auch Platz für Auseinandersetzungen und Diskussionen sein müsse. «Das alles ist in zwei Semesterlektionen nicht möglich», schreiben die Landeskirchen.

Arbeit in den kirchlichen Foyers gefährdet

In einem separaten Schreiben an die Bildungsdirektorin und die Mitglieder des Bildungsrates weisen die Kirchen zudem auf den Zusammenhang mit den Mittelschul-Foyers hin. Die im Unterricht aufgebaute Beziehung zwischen der Fachlehrperson und den Schülerinnen könne in den Foyers fortgesetzt werden. Die vorgesehenen Kleinstpensen für Fachlehrpersonen erschwere diese Beziehungsarbeit jedoch. Im Kanton Zürich bestehen insgesamt neun von den Kirchen betriebene Mittelschul-Foyers. Diese dienen als niederschwellige Treffpunkte für die Schüler, bieten aber auch Hand bei Problemen in der Schule, mit Freunden oder der Familie.

Die Vernehmlassung für das «Gymnasium 2022» ist am 29. September zu Ende gegangen. Die Gesetze sollen in der ersten Jahreshälfte 2021 beschlossen und auf das Schuljahr 2023/2024 in Kraft gesetzt werden. (no)