Lehrplan 21-Sonderweg führt bei St. Galler Reformierten zu Diskussionen

Die reformierte Synode des Kantons St. Gallen erörtert in aller Breite die Auswirkungen des Lehrplans 21 auf die Kirchenordnung und bewilligt fast beiläufig das Budget sowie die übrigen Geschäfte. Grund zur Sorge hat die Landeskirche nicht.

Kirchenrätin Barbara Damaschke-Bösch erläutert die Reglementsanpassungen im Zusammenhang mit dem Lehrplan 21. (Bild: Andreas Ackermann)

St. Gallen gehört zu denjenigen Schweizer Kantonen, die den kirchlichen Religionsunterricht auch mit der Einführung des Lehrplans 21 im Stundenplan der Volksschule behalten. Zudem soll das neugeschaffene Fach «Ethik, Religionen, Gemeinschaft» (ERG) sowohl von der Schule als auch von den Landeskirchen angeboten werden. Der Kirchenrat hat damit sein Ziel erreicht, «die Kirche in der Schule zu behalten», wie es die Ressortverantwortliche Barbara Damaschke-Bösch an der Synode vom 5. Dezember im Kantonsratssaal ausdrückte. Daraus folgen allerdings Veränderungen in der Kirchenordnung, die unter den Abgeordneten rege diskutiert wurden.

So ging es zum Beispiel um die Frage: Soll ein Schüler, der in der Oberstufe nicht den kirchlichen, sondern den schulischen Ethikunterricht besucht, später trotzdem zum Konfirmandenunterricht zugelassen werden? Der Synodale Peter Hürlimann aus Goldach stellte diese Forderung mit der Begründung: «Wenn wir eine Volkskirche sind, wollen wir für alle offen sein.» Sein Antrag wurde jedoch klar abgelehnt, unter anderem mit der Begründung, dass sämtliche Konfirmanden die gleichen Grundlagen mitbringen sollen. Kirchenratspräsident Martin Schmidt verwies überdies auf die Ausnahmeregelungen, die in solchen Fällen auf Gemeindeebene möglich sind.

Finanzen bleiben weiterhin im Lot

Vor den ausführlichen Wortmeldungen zur Kirchenordnung bezüglich des Lehrplans 21 hatten die Synodalen die übrigen Traktanden in zügigem Tempo abgehandelt. Es gab auch keinen Grund, sich aufzuhalten. Bei der Vorstellung der Finanzen sagte der zuständige Kirchenrat Heiner Graf: «Das Budget der Kantonalkirche zu präsentieren wird schon bald langweilig.» Der Voranschlag 2017 rechnet, ähnlich wie in den letzten Jahren, mit Ausgaben von 22,1 Millionen Franken bei einem Überschuss von 100’000 Franken. Die St. Galler Kirche muss sich weniger finanzielle Sorgen machen als andere. Zwar wird auch sie die Unternehmenssteuerreform III spüren, wenn diese kommt, da der Kanton aus den Unternehmenssteuern Beiträge zum Finanzausgleich an die Kirchgemeinden leistet. Aber der Fonds des Finanzausgleichs hat ein gutes Polster für mögliche magere Jahre angesetzt.

Weitere Entscheide betrafen unter anderem den St. Galler «Kirchenboten». Dessen Redaktions- und Verlagskommission wird auf eigenen Wunsch von neun auf sechs Personen verkleinert. Zukünftig gehört zu dem Gremium auch Pfarrer Rolf Kühni aus Sargans, der als langjähriger Präsident der Herausgeberschaft des Zürcher «reformiert.» bekannt ist. Weil die Arbeit am frischen Layout des «Kirchenboten» und der neue Internetauftritt inzwischen fertiggestellt wurden, konnte die Synode eine Verringerung des Abopreises um 50 Rappen beschliessen. Dafür haben die Kirchgemeinden bei der Gestaltung der Gemeindeseiten nun mehr zu tun.

Synode bleibt wohl bald «zuhause»

Zum Schluss hiess das Kirchenparlament noch einen Vorschlag der Synodeleitung gut, die Versammlungen fortan stets in St. Gallen abzuhalten, statt wie bisher üblich im Sommer in einer anderen Gemeinde. Der Entscheid hat zwar nur konsultativen Charakter, dürfte aber bald in die Tat umgesetzt werden. Zur Begründung erklärte der Vorsitzende Urs Meier-Zwingli: «Der Kantonsratssaal ist als Tagungsort würdiger als irgendeine Mehrzweckhalle.» Die zentrale Lage, die Sitzordnung im Halbrund und die elektronische Abstimmungsanlage sprächen auch dafür. Letztere wurde gleich zu Beginn mit einem Votum zur Frage getestet: «Haben Sie gut geschlafen?» Das Ergebnis ist nicht dokumentiert. (fk)