Sonntagsallianz kritisiert Kommission des Ständerates scharf

Bei der Anhörung zur «Teilflexibilisierung des Arbeitsgesetzes» in der Wirtschaftskommission des Ständerates wurden die Kirchen nicht eingeladen. Diese reagieren empört. Schliesslich gehe es bei der Flexibilisierung auch um das heikle Thema Sonntagsarbeit.


Die Kirchen fühlen sich vor den Kopf gestossen. Denn bei der Anhörung der umstrittenen parlamentarischen Initiative zur «Teilflexibilisierung des Arbeitsgesetzes» blieben sie aussen vor. Heikel ist das laut den Kirchen, weil es bei der Flexibilisierung darum geht, die geltende wöchentliche Höchstarbeitszeit von 45 Stunden und die Restriktionen für Sonntagsarbeit unter bestimmten Bedingungen zu lockern. «Das ist mir unbegreiflich und wirkt wie ein Affront», sagt Daniel Reuter, Vizepräsident der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), gegenüber ref.ch. «Dieses Vorgehen zeigt, dass man bei gewissen Fragen gar nicht mehr an uns denkt.»

Offener Brief

Doch gerade bei diesem Thema müsse die Kirche mitreden können. Deshalb hat die Sonntagsallianz, bei der neben Gewerkschaften wie der Unia auch kirchliche Vertreter wie die EKS, die katholische Justitia et Pax und die Evangelischen Frauen Schweiz Mitglied sind, einen offenen Brief zuhanden der Ständeratskommission geschrieben. Darin heisst es: «Wir sind überzeugt, dass die Sonntagsruhe für die Gesamtgesellschaft eine Realität bleiben muss und dass die Sonntagsarbeit nur in begründeten Fällen und in bestimmten Branchen für notwendige Tätigkeiten bewilligt werden soll.»

So sei der Sonntag für viele Menschen in der Schweiz die einzige Möglichkeit, gemeinsam Zeit zu verbringen. «Für die Organisationen unserer Allianz ist deshalb das Verbot der Sonntagsarbeit nach wie vor nötig und gut begründet», heisst es weiter.

Auch Reuter ist diese «Unverfügbarkeit» wichtig. «Der Sonntag ist ein Tag, um einfach Mensch sein zu können und – wer möchte – sich auf Gott auszurichten», sagt er. Nun sei zu hoffen, dass in künftigen Beratungen die Kirchen nicht übergangen werden. «Wir sind noch immer für Gespräche bereit.» Als Nächstes wird sich der Ständerat um die parlamentarische Initiative kümmern. (bat)