Schaffhauser Reformierte wollen Zukunftsfragen diskutieren

Zwischen Mitgliederschwund und veränderter Spiritualität: An ihrer Wintersitzung hat die Schaffhauser Synode entschieden, das Thema Kirchenentwicklung anzugehen.


Der Schaffhauser Kirchenratspräsident wählte in seinem Votum zu den Zukunftsaussichten starke Worte: «Der Gedanke, dass wir noch länger Volkskirche sein können, ist ad acta zu legen. Eigentlich sind wir es bereits heute nicht mehr», so Wolfram Kötter an der Synode vom 20. November in Stein am Rhein.

Tatsächlich machen die Reformierten nur noch etwa einen Drittel der Schaffhauser Bevölkerung aus. Glaubt man den Prognosen des Kirchenrates, könnten sie zudem in den nächsten acht bis zehn Jahren weitere rund 4000 Personen verlieren. Damit verbunden sind nicht nur verminderte Steuereinnahmen, sondern auch drohende Kürzungen bei den Pfarrstellen.

Gleichzeitig sieht der Kirchenrat aber noch immer ein grosses spirituelles Bedürfnis bei den Menschen, wie er an der Wintersitzung des Schaffhauser Kirchenparlaments deutlich machte. Auch seien die Menschen durchaus bereit, bei Projekten mitzuwirken, die sie interessierten; sie wollten sich aber nicht mehr unbedingt in den Dienst der Kirche stellen. Dafür gelte es nun Lösungen zu entwickeln. Oder wie es Wolfram Kötter ausdrückte: «Wir können zwar nicht mehr Volkskirche sein – wohl aber noch Kirche für das Volk.»

«Ich sehe kein Konzept»

Wie das gehen könnte, wollte der Kirchenrat der Synode im «Konzept Kirchenentwicklung» präsentieren. Zumindest liess der entsprechende Antrag unter Punkt 7 der Traktandenliste dies vermuten. Was dann allerdings tatsächlich vorgestellt wurde, war eher ein Aufruf, sich gemeinsam an die Bearbeitung der anstehenden Zukunftsfragen zu machen.

Vereinzelt wurde das von den Synodalen kritisiert. So sagte etwa Andreas Hess von der Steig-Gemeinde Schaffhausen: «Ich sehe kein Konzept, sondern ein paar schöne Ideen. Das lässt mich etwas in der Luft hängen.»

Die zuständige Kirchenrätin Cornelia Busenhart sagte, die Exekutive habe sich bewusst dagegen entschieden, fertige Lösungen zu präsentieren. Denn diese könnten nur im Austausch mit den Kirchgemeinden und unter Berücksichtigung von deren individuellen Bedürfnissen entstehen.

Gibt es einen Zukunftsfonds?

Am Ende stimmten die Synodalen dem Antrag zur Kirchenentwicklung grossmehrheitlich zu. Sie befürworteten damit «eine gemeinsame Anstrengung von Kirchgemeinden und kantonalkirchlichen Gremien, die Zukunft unserer Kirche weiterzuentwickeln.»

Ebenfalls angenommen wurde ein Antrag, wonach der Kirchenrat bis 2021 ein Dekret für die Einrichtung eines sogenannten Zukunftsfonds vorlegen soll. In diesen Fonds könnten die Überschüsse fliessen, mit denen die Schaffhauser Kirche aktuell noch rechnet. Denn paradoxerweise haben die Steuereinnahmen trotz schrumpfender Mitgliederzahlen in den vergangenen Jahren zugenommen. Finanzreferenz Richard Rickli hatte das gegenüber ref.ch im August damit erklärt, dass die Reformierten «schlicht immer mehr Geld» hätten.

Positives Ergebnis veranschlagt

Dies zeigt sich auch im Budget für das Jahr 2020: Es schliesst bei prognostizierten Einnahmen aus der Zentralsteuer von 4,1 Millionen Franken mit einem Erfolg von rund 201’000 Franken. Das Budget wurde einstimmig angenommen. (vbu)