Vorreiterin für Gleichstellung
Alt-Nationalrätin Hanna Sahlfeld-Singer verstorben
Die St. Galler Alt-Nationalrätin Hanna Sahlfeld-Singer ist laut einer Todesanzeige im «St. Galler Tagblatt» verstorben. Sahlfeld-Singer war von 1971 bis 1975 die erste St. Galler SP-Nationalrätin und gehörte zu den ersten elf Nationalrätinnen überhaupt, wie die SP und die SP Frauen des Kantons St. Gallen in der Anzeige schreiben. «Sie bleibt uns in guter Erinnerung als Vorreiterin für die Gleichstellung sowie als Kämpferin für die Menschenrechte, gegen Armut und für soziale Gerechtigkeit», heisst es weiter.
Erst kurz vor ihrem Amtsantritt hatten Frauen in der Schweiz das Wahl- und Stimmrecht auf Bundesebene erhalten. Als Sahlfeld-Singer am 14. Dezember 1971 das Bundeshaus betrat, erklärte ihr ein Pförtner, an diesem Tag fänden keine Führungen statt – worauf sie entgegnete, sie sei zur Vereidigung da, wie sie 2021 in einem SRF-Interview erzählte.
Vier Jahre später wurde die Theologin und reformierte Pfarrerin aus Flawil SG, die in Altstätten SG tätig war, als Nationalrätin wiedergewählt. Zu einer zweiten Amtszeit kam es trotzdem nicht, weil ihr Mann, der ebenfalls Pfarrer war, in der Kantonalkirche keine Stelle mehr fand. «Gescheitert bin ich letztendlich nicht an der Politik, sondern an der St. Galler Kirche», sagte sie 2021 in einem Gespräch mit ref.ch.
Später zog die Familie nach Deutschland, wo Sahlfeld-Singer und ihr Mann als Schulpfarrer arbeiteten. Die Polit-Pionierin starb am 11. Oktober 2025 in der Region Hannover, wo auch ihre Beisetzung stattfinden soll. (sda/ hz)