Krieg in der Ukraine

Rita Famos will Klarheit vom ÖRK

In einer Medienmitteilung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) legitimierte der Moskauer Patriarch Kyrill I. den russischen Angriff auf die Ukraine. Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, will nun vom ÖRK wissen, wie es dazu kommen konnte.

«Wie konnte es kommen, dass in der Medienmitteilung der Patriarch unwidersprochen den Krieg als Verteidigungskrieg darstellen konnte?», fragt sich Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz. (Bild: zVg)

Eine Zusammenkunft zwischen Ioan Sauca, Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK), und dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. hat in den sozialen Medien für Empörung gesorgt (ref.ch hat berichtet). Denn bei der anschliessenden Medienmitteilung des ÖRK zum Treffen durfte das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche den Angriffskrieg auf die Ukraine verteidigen.

Nun fordert Rita Famos, die auf Facebook den ÖRK scharf kritisierte, weitere Klärung. Auf Anfrage teilt die Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) mit, dass die EKS im Zentralausschuss des ÖRK folgende Fragen geklärt haben möchte: War die ÖRK-Delegation genügend vorbereitet auf den Besuch? War sie sich des Missbrauchspotenzials durch das Patriarchat bewusst und hat sich entsprechend verhalten? Hat sie die vom Zentralausschuss formulierte Haltung klar kommuniziert?

Kritik an Männerdelegation

Weiter möchte Famos wissen, wie es kommen konnte, dass in der Medienmitteilung der Patriarch unwidersprochen den Krieg als Verteidigungskrieg darstellen konnte und wieso keine Frauen in der Delegation des ÖRK vertreten waren. «Mein Post war keine Intervention gegen den ÖRK als solchen», stellt Famos klar. Ihr sei es aber wichtig gewesen, ihre Enttäuschung über diesen Besuch kundzutun. Die Reaktionen auf ihren Post zeigten, dass viele Menschen eine andere Art von Dialog erwarteten.

Gegen Ausschluss, für Dialog

Noch im Juni hatte der ÖRK ein Statement verabschiedet, in dem der Aggressor benannt und der Krieg klar als Angriffskrieg bezeichnet wird. «Die theologische Unvereinbarkeit sowie die Völkerrechtswidrigkeit sind klar formuliert», sagt Famos. Der Generalsekretär sei damals aufgefordert worden, sowohl die Ukraine wie auch das Moskauer Patriarchat zu besuchen.

Auch der EKS-Rat hatte sich stets für einen Dialog mit dem Patriarchen ausgesprochen. Als an der Sommersynode der Zürcher Kirchenratspräsident Michel Müller forderte, die EKS müsse ÖRK eine Prüfung der Suspendierung der Mitgliedschaft der russisch-orthodoxen Kirche beantragen, stellte sich der Rat dagegen. Trotzdem wurde die Motion von der Synode angenommen. Die EKS setzte sich anschliessend für die Prüfung der Suspendierung ein, scheiterte aber mit diesem Anliegen beim Zentralausschuss des ÖRK. Dieser wollte lieber weiter auf den Dialog setzen.

«Sowohl der Zentralausschuss des ÖRK als auch wir sind davon ausgegangen, dass es sich dabei um einen echten, auch konfrontativen Dialog handelt. Ein Dialog, der die eigene Position nicht vernebelt», schreibt Famos. «Was nun herausgekommen ist, ist sicher nicht das, was wir uns vorgestellt haben.»

Kyrill I. rechtfertigt den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, der seit über acht Monaten andauert. Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche gilt als enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin. (bat)