Kirchen fordern besseren Schutz für Flüchtlingskinder

Anlässlich des Flüchtlingssonntages weisen die drei Landeskirchen sowie die jüdische Gemeinschaft auf die massiven Probleme hin, vor die Kinder aus Krisengebieten gestellt sind. An Politik und Recht stellen sie deshalb konkrete Forderungen.


«Keine verlorene Generation» – dieses Leitthema haben sich die drei Schweizer Landeskirchen sowie der Schweizerische Israelitische Gemeindebund für den diesjährigen Flüchtlingssonntag gesetzt. In ihrem kürzlich veröffentlichten Appell weisen sie auf die Probleme hin, mit denen Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten konfrontiert sind. So benötigten allein in Syrien 60 Prozent der Kinder humanitäre Hilfe, zwei Millionen Kinder könnten keine Schule besuchen und 3,3 Millionen Kinder seien der ständigen Gefahr durch Minen ausgesetzt.

In Flüchtlingslagern und Aufnahmezentren wiederum werde selten zwischen Kindern und Erwachsenen unterschieden, schreiben die Religionsgemeinschaften weiter. Kinder seien deshalb «der Gewalt und dem Missbrauch von Erwachsenen ebenso hilflos ausgeliefert wie den Behörden und einer Bürokratie, die auf die besondere Bedürftigkeit von Kindern nur unzureichend oder keine Rücksicht nehmen.»

«Hoffnung auf ein friedliches Morgen»

Die Religionsgemeinschaften sehen darin einen eklatanten Widerspruch zum Schutz, den Kinder benötigen, zu ihrer Bedeutung als «Segen Gottes» und zu ihrem Wert auch für die Herkunftsländer: «Mit den Kindern verlieren die Länder, aus denen sie fliehen mussten, ihre eigene Zukunft.» Vom Umgang mit ihnen hange deshalb auch die Zukunft von Krisenregionen und die «Hoffnung auf ein friedliches und menschenwürdiges Morgen» ab.

Die vier Religionsgemeinschaften stellen deshalb konkrete Forderungen an Politik und Recht. Dazu gehören unter anderem die angemessene Unterbringung in den Aufnahmelagern oder die vollumfängliche Information der Kinder in ihrer Sprache und auf ihrem Niveau. Zudem müssten Familienzusammenführungen beschleunigt und ein «konstruktiver Zugang zur Bildung» ermöglicht werden.

Breite Aktion

Der Flüchtlingssonntag der Kirchen wird im Zusammenhang mit dem nationalen Flüchtlingstag begangen, einer breiten Sensibilisierungsaktion, die von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe seit 1980 organisiert wird. Er fällt dieses Jahr auf den 21. Juni. Der gemeinsame Appell wurde von der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, der Schweizer Bischofskonferenz, der Christkatholischen Kirche der Schweiz sowie dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund verfasst. (vbu)