Pensionierung
Nach 30 Jahren tritt die Stimme der Zürcher Landeskirche ab
Seit 1995 arbeitete Nico Mori in der Kommunikationsabteilung der Zürcher Landeskirche und vertrat die Institution nach aussen. In seine Zeit fiel unter anderem die Beschleunigung des Mitgliederschwunds, mehrere grosse Unglücke sowie die Covid-Pandemie. Nun verabschiedet er sich in den Ruhestand und blickt zurück.
Drei Jahrzehnte in der Zürcher Landeskirche
Ich war zuvor in einer kleinen Agentur tätig. Der Wechsel in eine durchstrukturierte Grossinstitution war gewöhnungsbedürftig. Aber ich habe hier viel gelernt in politischer Kommunikation, im Umgang mit Behörden; wie man in einer solchen Organisation pragmatisch vorgehen und Verantwortung übernehmen kann; dass man durchaus etwas bewegen kann, wenn man will. Und ich habe über die Jahre grossen Respekt bekommen vor dem beherzten Einsatz der Freiwilligen in der Kirche.
Veränderungen in der Kirchenlandschaft
30 Jahre sind in unserer schnelllebigen Zeit eine halbe Ewigkeit, es hat sich viel verändert. In der Kommunikation spürte ich das abnehmende Medieninteresse: Kamen früher mehrere Anfragen pro Woche, sind es heute vielleicht noch zwei pro Monat.
Die bei Medienschaffenden früher verbreitete aggressive Antikirchlichkeit ist eher einer Gleichgültigkeit gewichen. Die Kirche geniesst in der Bevölkerung nach wie vor grosses Vertrauen und eine hohe Anerkennung ihrer Leistungen. Sie hat mehr Mitglieder, als sie selbst oft meint. Das hat auch damit zu tun, dass die Kirche von einer «Kirche am Ort» zu einer «Kirche am Weg» wird und geht, wo sich die Menschen im Alltag aufhalten.
Berufliche Herausforderungen
Herausfordernd waren sicher gewisse Volksabstimmungen, etwa zur Trennung von Kirche und Staat oder zur Kirchensteuer der Firmen. Viel abverlangt haben mir in der Kommunkation auch Grossprojekte wie das Reformationsjubiläum 2019 sowie grosse Unglücksfälle wie Luxor, Halifax, die Anschläge vom 11. September 2001, das Attentat in Zug oder der Flugzeugabsturz in Bassersdorf im Jahr 2001.
Nicht zu vergessen die Covid-Pandemie, die mich zeitweise ziemlich an die Grenzen brachte. Aber auch die Krisenkommunikation rund um Konflikte in Kirchgemeinden war oftmals herausfordernd.
Die Rolle des Mediensprechers
Mediensprecher ist eine sehr vielfältige und abwechslungsreiche Funktion mit hoher Verantwortung, das hat mir stets sehr gefallen. Wichtig war mir, bei schwierigen Themen nicht zu mauern, sondern transparent zu informieren. Besonderen Wert legte ich immer darauf, der Öffentlichkeit die Vielfalt der Kirche zu vermitteln. Viele haben eine Klischee-Vorstellung von Kirche, die der Buntheit und Weitläufigkeit des Wirkens in Kirchgemeinden und Landeskirche nicht gerecht wird. Mein Ziel war, dass jemand merkt: «Hey, da ist auch etwas für mich dabei!».
Ruhe bewahren!
So ruhig, wie ich nach aussen vielleicht gewirkt habe, war es in mir drin oftmals nicht. Früher waren es vor allem meine Söhne, die mich aus der Ruhe bringen konnten, heute sind es etwa fortgesetzte Unzuverlässigkeit, bürokratische Leerläufe oder wenn die IT bei Vollmond partout nicht das macht, was ich will.
Freie Zeit
Es wird all das mehr Platz haben, wofür mir jetzt chronisch die Zeit fehlt: mehr Bewegung in der Natur – ich habe mir ein Gravel-Bike gekauft –, Bücher, Garten, Kultur, Ausflüge. Auch ein soziales Engagement kann ich mir vorstellen. Aber ich lasse es ruhig angehen.
Was er vermissen wird
Ganz sicher nicht vermissen werde ich die institutionellen Prozesse und Abläufe, die eine grosse Organisation halt so mit sich bringen und die man über sich ergehen lässt. Aber fehlen werden mir definitiv all die engagierten und talentierten Menschen, die ich in der Kirche kennenlernen und mit denen ich zusammenarbeiten durfte.