Reformierte Fabrikkirche Winterthur muss schliessen

Dem Kirchenprojekt fehlt das Geld. Deshalb wird der Betrieb der Kirche und der Bistro-Bar Akazie per Ende Juli 2020 eingestellt.


Die reformierte Landeskirche Zürich hat für das Budget 2020 beschlossen, die reformierte Fabrikkirche Winterthur finanziell nicht mehr zu unterstützen. In der letzten Synode vom November 2019 wurde der Antrag zur Weiterfinanzierung äusserst knapp abgelehnt. Damit fallen 40 Prozent der Einnahmen weg. Zudem resultierte bei der Bistro-Bar Akazie trotz verschiedener Massnahmen weiterhin ein Defizit. Deshalb hat sich der Vorstand der Fabrikkirche zusammen mit dem Co-Leitungsteam nun entschieden, das Projekt per Ende Juli 2020 zu beenden, wie es in einer Medienmitteilung vom 22. Januar heisst.

Verpasste Frist mit schwerwiegenden Folgen

«Der Entscheid des Kirchenrats ist für mich immer noch schwer nachvollziehbar», sagt die Co-Leiterin der Fabrikkirche, Isabelle Schär. Der Kirchenrat begründete den Schritt damit, dass die Fabrikkirche keine fristgerechte Klärung der Neuausrichtung und der Finanzierung vorgenommen habe (ref.ch berichtete). Tatsächlich hat die Leitung der Fabrikkirche eine Frist verpasst. Sie reichte die Dreijahresplanung einige Tage zu spät ein.

Allerdings habe Pfarrerin Isabelle Schär diesen Plan in kürzester Zeit erstellen müssen, weil ihre Vorgängerin aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig ausgeschieden war. An den Zielen und der Arbeit habe sich im Vergleich zu den Vorjahren nicht viel verändert. Die 2003 gegründete Fabrikkirche ist einerseits Kirche mit inzwischen vielfältigen Veranstaltungen und Angeboten, an denen zahlreiche Freiwillige engagiert sind. Andererseits beschäftigt sie in ihrer Bistro-Bar und im Büro Arbeitsintegrationsklienten.

Viel Herzblut und freiwilliges Engagement

Der Entscheid zur Schliessung war deshalb kein einfacher Schritt. «Es ist viel Herzblut in das Projekt geflossen, klar ist man da traurig», sagt Isabelle Schär. Zudem müssen Mitarbeitende entlassen werden. Jetzt gehe es darum, das Projekt «sauber zu Ende zu bringen». Eine Weiterführung der Kirche in neuer Form hätte nicht vorhandene Ressourcen benötigt. Besonders wichtig ist Isabelle Schär, dass Lösungen für die Mitarbeitenden gefunden werden, sowie auch für die Menschen, die in der Fabrikkirche eine «Heimat gefunden haben».

Viele Menschen fänden es sehr schade, dass die Fabrikkirche schliessen müsse, beschreibt Isabelle Schär die Rückmeldungen auf die angekündigte Schliessung. Denn man spüre dort, dass wirklich Kirche stattfinde. Besonders gefreut hat sie, dass sich immer wieder Freiwillige gemeldet haben mit guten Ideen oder die einfach helfen wollten. «Manchmal musste ich erst überlegen, wo ich jemanden einsetzen oder wann eine Idee umgesetzt werden kann».

Die Bistro-Bar Akazie ist noch bis Ende Juni geöffnet, das sonstige Fabrikkirchen-Programm läuft bis Ende Juli 2020. (mos)