Pensionierung
Pfarrer Bader verlässt das Saanenland
Bruno Bader hat seine Pfarrwohnung in Saanen leergeräumt und ist nach Wabern bei Bern gezogen. 18 Jahre lang hat er in der Gemeinde im Saanenland als Pfarrer gearbeitet. Nun muss er nur noch einmal hinfahren, um die Wohnung zu putzen.
Mitte März ist Bader 63 Jahre alt geworden, jetzt geht er in Frühpension. Zum Video-Gespräch mit ref.ch schaltet er sich aus seiner Wohnung in der Gemeinde Köniz zu. Im Hintergrund ein grosses Bücherregal, im Vordergrund der bekannte Pfarrer mit den langen Haaren. Er blickt entspannt in die Kamera und macht den Eindruck eines Menschen, der gerade sehr zufrieden ist.
Bader erzählt von Umzugskisten, die noch ausgeräumt werden müssen und von Stapeln neuer Bücher, für deren Lektüre er nun Zeit haben werde. Der ehemalige Radiogottesdienst- und «Wort zum Sonntag»-Sprecher befindet sich in der Schwebe zwischen «bereits» und «noch nicht». Wie in: Er hat mit dem Alten bereits aufgehört und mit dem Neuen noch nicht begonnen.
Oder: Er hat bereits seit einiger Zeit gespürt, dass es bald so weit ist, den Pfarrberuf an den Nagel zu hängen – aber wer mit ihm zu tun hatte, merkte noch nicht, dass sich etwas verändert hatte.
Den richtigen Zeitpunkt finden
Bader erzählt: «Ich hatte mir schon lange vorgenommen, dann aufzuhören, wenn die Leute noch sagen, es ist schade, dass du gehst.» Zu viele Pfarrkollegen und Politiker habe er gekannt, die sich an ihrem Amt festgeklammert und am Ende ihre Arbeit frustriert und «abgelöscht» erledigt hätten.
«Dieser letzte Eindruck bleibt den Leuten in Erinnerung und nicht die Jahre, in denen man gute Arbeit geleistet hat», sagt er. Unter keinen Umständen habe er gewollt, dass auch ihm so etwas widerfährt.
Erste Anzeichen, dass eine Veränderung anstehen könnte, hat er vor gut einem Jahr bemerkt, als die Zeit der Konfirmationsfeiern anstand. Auch wenn er schon viele Konfirmationen durchgeführt hatte, durfte die Durchführung nicht zur Routine werden, meint Bader, denn: «Jeder hat Anrecht auf eine schöne Feier.» Doch der Einsatz kostet Energie. Bader sagt, er sei nach der Konfirmationsfeier «erledigt» gewesen. «Ich brauche länger als früher, um mich zu regenerieren.»
Er deutete das als Botschaft seines Körpers, kürzer zu treten und sich neu zu orientieren. Dass ihm der Absprung rechtzeitig gelungen ist, zeigte ihm der Abschiedsgottesdienst in Saanen: «Es war eine sehr schöne Feier.»
Gefängnis und Theater
Doch was nun? Wird Bader nur noch zuhause sitzen und Sachbücher lesen? Das hat er nicht vor. Vielmehr wird er Freiwilligenarbeit leisten, um «Kanton und Kirche, denen ich viel zu verdanken habe, etwas zurückzugeben». In die Wege geleitet ist, dass er in Berner Gefängnissen Menschen besucht. Nach weiteren Tätigkeiten hält er Ausschau. Und Russisch lernen will er.
Zur freiwilligen Arbeit zählt er auch sein Engagement bei «Eglise à venir», einem Verein, der sich mit liberaler Haltung zu kirchlichen, gesellschaftlichen und politischen Themen äussert. Das wird er ebenso weiterführen wie seine Aufgaben im Stiftungsrat der Stiftung für Theologisches Theater Hollenweger. Da stehe ein interessantes Projekt an zum Jubiläumsjahr der Berner Reformation 2028.
Pfarrvertretungen zu machen, steht dagegen nicht zuoberst auf Baders Liste. Auch wenn der Theologe, der häufig in der Öffentlichkeit stand, damit wieder ein breiteres Publikum hätte. «Unter den Bedingungen meiner Gegenwart», sagt Bader, «würde ich sagen, dass mir das Publikum nicht fehlen wird.» Im besten Fall erfahre man von ihm Anerkennung und Wertschätzung. «Aber es gibt eben nicht nur das», ergänzt er.
An der Schwelle zum Ruhestand dreht sich Bader nochmals um und blickt zurück. Er ist zufrieden mit seinem Berufsleben, sagt: «So wie ich es gemacht habe, kann man es machen.» In ihm hatte eine Kirchgemeinde keinen Aktivisten und keinen, der Events organisierte.
«Ich verstand mich immer als Theologe, und in Saanen konnte ich das sein», sagt er. Das bedeutet: Konzentration aufs Kerngeschäft: Gottesdienst, Seelsorge, Kirchlicher Unterricht und Erwachsenenbildung. Einer Kirche, die sich immer mehr ums Geld sorgt und sparen muss, rät er, es ebenso zu halten – sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und keinen Aktivismus zu betreiben.