Pfarrer drängen auf Öffnung der Gottesdienste

In einem Appell fordern rund dreissig Pfarrpersonen den Bundesrat dazu auf, öffentliche Gottesdienste per sofort wieder zuzulassen. Das anhaltende Verbot sei eine «Entmündigung» der Kirchgemeinden.


Geht es nach dem Fahrplan des Bundesrates, sollen öffentliche Gottesdienste ab dem 8. Juni wieder möglich sein. Dies sei zu spät, findet eine Gruppe von reformierten Pfarrpersonen. In einem Appell mit dem Titel «Gegen die fortdauernde Entmündigung unserer Gemeinden» vom 14. Mai fordern sie eine sofortige Aufhebung des Gottesdienstverbots.

Der Tonfall des Schreibens, das von dem Appenzeller Pfarrer Bernhard Rothen initiiert wurde, ist entschieden: Es sei unverständlich, dass Restaurants und Wirthäuser den Betrieb wieder aufnehmen dürften, Gottesdienste hingegen weiterhin verboten seien. Dies lasse darauf schliessen, dass der Bundesrat den Kirchgemeinden nicht zutraue, die Schutzvorgaben mit «Umsicht, Zurückhaltung und Phantasie» umzusetzen. «Das dokumentiert eine Geringschätzung des Verantwortungsbewusstseins unserer Gemeinden, die nichts Gutes für die Zukunft verheisst», so die Pfarrer.

Geteilte Meinungen über vorzeitige Öffnung

In ihrem Schreiben betonen sie zudem, dass es zur Amtspflicht von Pfarrpersonen gehöre, dazu beizutragen, «dass die Anweisungen der Gesundheitsbehörden die ihnen gebührenden Beachtung finden». Deshalb sei es «beschämend», dass der Bundesrat die Kirchgemeinden mit einem «generellen Verbot entmündigt.»

In dem Appell fordern die Unterzeichnenden daher, dass die Regierung den Kirchgemeinden ihr Recht auf Kultus- und Versammlungsfreiheit «sofort» zurückgebe. Unterzeichnet haben das Schreiben insgesamt 30 Pfarrer und 3 Pfarrerinnen. Sie kommen mehrheitlich aus den Kantonen Thurgau, Bern und Zürich.

Die Öffnung der Gottesdienste sorgt in der reformierten Kirche derzeit für Debatten. Zuletzt wandte sich am 6. Mai eine Gruppe von Pfarrerinnen und Pfarrern mit einem offenen Brief an die Kirchenleitungen (ref.ch berichtete). Darin forderten sie dazu auf, über die möglichen Folgen einer vorzeitigen Öffnung nachzudenken. Diese könnte unter anderem dazu führen, dass sich vulnerable Personen ausgeschlossen fühlen. (no)