Sterbehilfe

Palliativ-Verein gegen assistierten Suizid in Heimen

Im Kanton Graubünden ist eine Diskussion über den assistierten Suizid in Heimen entbrannt. Der Verein Palliative GR spricht sich dagegen aus. Er will den Entscheid darüber weiterhin den Heimen überlassen.

Heimbewohnerinnen und Heimbewohner in Graubünden sollen das Recht erhalten, im Heim mithilfe von externen Organisationen einen assistierten Suizid zu begehen. Das Parlament hatte letzten Juni einstimmig einen Vorstoss des Churer SP-Grossratstellvertreters Pascal Pajic überwiesen. Dieser fordert, das Recht auf den begleiteten Freitod in Heimen gesetzlich zu verankern. Pajic kritisiert, dass es in der Kompetenz der individuellen Heimleitungen liege, Suizide dieser Art zu dulden oder nicht. Diese Abhängigkeit von «willkürlichen ethischen Ansichten» der Heimleiter findet er inakzeptabel.

Der Verein Palliative GR, der im Auftrag des Kantons die Palliative Care koordiniert, opponiert nun gegen diese Absicht des Grossen Rats. Wie Vertreter des Vereins am Mittwoch vor den Medien in Chur ausführten, wollen sie den Heimen die Entscheidungsfreiheit über die Zulassung von assistierten Suiziden belassen.

Anderes Verständnis vom Sterben

Palliative GR vertrete ein anderes Grundkonzept als der Vorstoss im Parlament, sagte Vorstandsmitglied Christian Ruch. «Leben soll nicht künstlich verlängert, aber auch nicht künstlich verkürzt werden», erklärte er. Menschen solle ein würdiges Lebensende ermöglicht werde. Der Sterbewunsch könne zudem auch nur vorübergehend sein. Oft gehe es um die Angst vor Schmerzen und nicht um den Wunsch, aus dem Leben zu scheiden. Palliative Care könne hier viel leisten.

Palliative GR gestehe zwar jedem Menschen das Recht zu auf eine eigene Wertehaltung beim Thema Lebensende. Autonomie finde aber nicht in einem luftleeren Raum statt, gab Ruch zu bedenken. Angehörige würden oft stark darunter leiden, wenn ein Mensch durch assistierten Suizid aus dem Leben scheide.

Hoffnung auf abgeschwächtes Gesetz

Aufgrund dieser Überlegungen und Werte will Palliative GR die Entscheidung, den begleiteten Freitod mithilfe von externen Organisationen zuzulassen, den Heimen überlassen. Voraussetzung sei, dass sich die Institution vertieft mit den damit zusammenhängenden ethischen Fragen befasse. Zudem sollen Heime ihre Positionen gut nach aussen kommunizieren, damit potenzielle Heimbewohner Klarheit über die Möglichkeiten haben.

Palliative GR wolle nun abwarten, wie sich der politische Prozess weiter entwickle, sagte Geschäftsleiterin Monika Lorenz-Meuli. Das Parlament habe zwar die Regierung beauftragt, einen Gesetzesartikel zu schaffen, der das Recht auf assistierten Suizid in subventionierten Heimen einräume. Ob die Hintergründe der Thematik in der Parlamentsdiskussion so klar waren, sei indes fraglich. «Ich denke nicht, dass die Geschichte so heiss gegessen wird, wie sie gekocht wurde», erklärte Lorenz-Meuli. Vielleicht lege die Regierung einen abgeschwächten Gesetzesentwurf vor. (sda/mos)