Organisationen machen sich für Armutsbetroffene stark

Die Corona-Pandemie trifft jene Menschen am härtesten, die schon zuvor von Armut und sozialem Ausschluss betroffen waren. 28 soziale Organisationen, darunter auch kirchliche, fordern deshalb Massnahmen. Unter anderem sollen Strom- und Telefonkosten erlassen werden.


Die Corona-Pandemie werfe ein Schlaglicht auf bestehende Ungleichheiten und bringe noch deutlicher zum Vorschein, was für viele Menschen in der Schweiz eine dauerhafte Krise sei, heisst es in einer Mitteilung vom 6. April.

Unterzeichnet wurde sie unter anderem vom Berufsverband Soziale Arbeit Schweiz, Emmaus Schweiz, IG-Sozialhilfe, Kirchliche Gassenarbeit Bern, S. Egidio Suisse, Surprise und dem Schweizerischen Arbeiterhilfswerk. Koordiniert wird der gemeinsame Auftritt von ATD Vierte Welt Schweiz.

Die Organisationen fordern darin Massnahmen, um die existenziellen Bedürfnisse von sozial schwachen Menschen würdevoll sicherzustellen. Denn die aktuelle Krise treffe diejenigen am stärksten, die bereits zuvor mit Armut und sozialem Ausschluss konfrontiert waren.

Angebote ausbauen

Die gegenwärtige Situation unterstreiche «die Notwendigkeit, die Erfahrung und das Wissen armutsbetroffener Menschen vollwertig miteinzubeziehen, um wirksame, existenzsichernde und würdevolle Antworten für alle zu finden», stellen die Organisationen fest. In der permanenten Krisensituation der Armut hätten diese gelernt, sich um andere zu kümmern. Sie seien auch in der aktuellen Situation bereit, diejenigen zu unterstützen, die noch stärker betroffen seien als sie selber.

Konkret fordern die Organisationen beispielsweise Angebote an würdevollen Aufenthalts- und Übernachtungsmöglichkeiten und öffentlich zugängliche sanitäre Anlagen für Menschen ohne festen Wohnsitz. Für Menschen, die den Strom nicht bezahlen können, sollten gesperrte Stromanschlüsse freigeschaltet und Stromkosten temporär erlassen werden.

Unterstützung für Eltern

Ausserdem sollten bei Corona-Fällen für Menschen und Familien mit tiefen Einkommen die Krankenkassen die Arzt- und Behandlungskosten vollumfänglich übernehmen. Ferner sollten für alleinerziehende Mütter Anlaufstellen bereit gestellt werden und Frauenhäuser zusätzliche Unterstützung erhalten.

Die Organisationen verlangen weiter, dass Schulkinder, deren Eltern nicht die nötigen Mittel haben, sie zu Hause bei Schularbeiten zu begleiten, zusätzliche Unterstützung erhalten. Für Menschen, die von der Sozialhilfe unterstützt werden, müsse zudem landesweit temporär auf den generellen Zwang, Arbeitsbemühungen vorzuweisen, verzichtet werden.

Aufruf zur Solidarität

Auch die Kommunikationsmöglichkeiten sollten für einkommensschwache Personen sichergestellt werden. Insbesondere müssten die Sperrung von Telefonanschlüssen aufgehoben und die Gebühren für Telefon und mobiles Internet temporär erlassen werden.

Neben diesen konkreten kurzfristigen Massnahmen rufen die Organisationen dazu auf, langfristig und unter Einbezug des Wissens armutserfahrener Menschen solidarisch zu denken und zu handeln. (sda/no)