Bombendrohung am Oktoberfest
Seelsorger steht den Schaustellern bei
Am Samstag fast eine Massenpanik, am Mittwoch eine Bombendrohung: Die Schausteller sind von den Hiobsbotschaften auf dem Münchner Oktoberfest unmittelbar betroffen. Schausteller seien hochengagiert, wollten ihren Beruf ausüben und für die Besucher ein schönes Fest gestalten, sagte der Leiter der Circus- und Schaustellerseelsorge der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Torsten Heinrich, dem Evangelischen Pressedienst (epd). In schwierigen Situationen wie einer Bombendrohung oder einer drohenden Massenpanik wie am vergangenen Samstag gebe es daher natürlich «Herzweh, Trauer und Wut».
Am Mittwochmorgen war es im Münchner Norden zu einem Grosseinsatz der Polizei gekommen. Ein Wohnhaus und mehrere Autos standen in Flammen, der mutmassliche Täter, der auch Sprengfallen gelegt haben soll, ist tot. Bei dem Einsatz wurde ein Drohschreiben gegen das Oktoberfest gefunden. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) verkündete die Schliessung des Oktoberfestes bis mindestens 17 Uhr. Man könne das Risiko nicht eingehen, Menschen auf die Theresienwiese zu lassen. Er bestätigte auch den Zusammenhang zwischen der «aktuellen Bedrohungslage» und der Straftat im Münchner Norden.
«Das ist sehr bedrückend für die Schausteller», sagte Circus-Seelsorger Heinrich. Zugleich seien sie aber auch sehr professionell im Umgang mit Sicherheitskonzepten. Diese seien auf Volksfesten und Weihnachtsmärkten kein Randthema mehr, sondern gehörten zu ihrem Job dazu. «Die Schausteller wissen, dass sie im schlimmsten Fall mittendrin und daher hochgefährdet sind», sagte Heinrich. Die meisten liessen aber ihr Lebensgefühl nicht von der Angst bestimmen, auch wenn wirtschaftliche Sorgen dazukämen. «Wird das Oktoberfest geschlossen, fallen Einnahmen weg, und in Krisenzeiten kommen weniger Besucher.»
Schausteller-Seelsorger reisen zu Volksfesten und Zirkussen und begleiten die dort Beschäftigten. In diesem Jahr habe er auf dem Oktoberfest ein Kind getauft, erzählt Torsten Heinrich.
«Wir dürfen diese doch recht grosse Gruppe der Schausteller, die so viel bewegt für die Menschen und Feste auf die Beine stellt, nicht allein lassen», findet Pfarrer Heinrich. Auch sie bräuchten stabile Beziehungen, genauso wie die Menschen in einer Ortsgemeinde. Vor allem für Kasualien wie Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen würden Schausteller-Seelsorger oft angefragt. (epd/ dst)