Gemeindeentwicklung

Neues ökumenisches Bildungsinstitut gegründet

Das «Institut im Reusshaus» in Luzern bietet künftig eine Ausbildung in Theologie und Gemeindebildung an. Das neue, ökumenisch organisierte Projekt geht unter anderem auf die Initiative von Sabine Brändlin und Urban Federer zurück.

Bereits im September 2021 soll der erste Lehrgang am neu gegründeten «Institut im Reusshaus» starten. Dabei wird eine theologische Grundausbildung mit Kenntnissen der Sozial- und Betriebswirtschaft, Psychologie und Kommunikation verbunden, wie es in einer Medienmitteilung vom 29. Januar heisst.

Die Ausbildung wird mit einem Diplom beendet, das dem Niveau eines Bachelors in Theologie entspricht. Allerdings qualifiziert sie nicht zum Pfarramt, also etwa zum Spenden der Sakramente oder Gestalten von Kasualien. Vielmehr sollen Studierende dazu befähigt werden, kirchliche Gemeinschaft zu stärken oder Menschen auf ihrem persönlichen Glaubensweg zu begleiten. «Unsere Absolventinnen und Absolventen können zum Beispiel eingesetzt werden, um eine Gemeinschaft von frisch konfirmierten Jugendlichen zu bilden oder kirchliche Präsenz in einem Neubauquartier aufzubauen», erklärt Sabine Brändlin gegenüber ref.ch.

«Zeit der konfessionellen Abgrenzung ist vorbei»

Brändlin – reformierte Pfarrerin und bis zu ihrem Rücktritt im Frühling 2020 Mitglied im Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) – wird die Leitung des Instituts zusammen mit dem katholischen Pfarrer Ruedi Beck übernehmen. Auch die Initiative für das ökumenische Projekt geht auf die beiden sowie auf Urban Federer, Abt im Kloster Einsiedeln, Walter Dürr, Direktor des Studienzentrum Glaube und Gesellschaft in Fribourg, und Christian Hennecke, Generalvikariatsrat im Bistum Hildesheim, zurück.

«Wir sind überzeugt, dass ein kirchliches Zeugnis in der heutigen Zeit ökumenisch sein muss. Die Zeit der konfessionellen Abgrenzungen im Blick auf Gemeindeentwicklung ist vorbei», sagt Sabine Brändlin zur breiten Aufstellung des Instituts. Gleichzeitig brauche es aber auch eine gewisse Sensibilität in dieser Frage. Deshalb würden bei Themen konfessioneller Relevanz wie den Sakramenten oder dem Amtsverständnis Dozierende beider Kirchen unterrichten.

Um die Anbindung an die beiden Kirchen zu gewährleisten, werden der reformierte St. Galler Kirchenratspräsident Martin Schmidt sowie Abt Urban Federer in beratender Funktion für das Institut tätig sein. Der Lehrkörper wird sich laut Brändlin vor allem aus Professorinnen und Professoren der theologischen Fakultäten beider Konfessionen in der Schweiz und in Deutschland zusammensetzen. Die Resonanz diesbezüglich sei sehr positiv gewesen, so die Pfarrerin.

Aus- oder Weiterbildung

Finanziert wird das Institut durch Beiträge der Studierenden und durch die Zuwendung von Stiftungen, Institutionen und Privatpersonen. Die bisherige Finanzierung laufe erfolgreich, sagt Sabine Brändlin; man habe im vergangenen Jahr bereits fünf Anstellungen vornehmen können.

Das Angebot des neuen Instituts richtet sich an Personen, die sich eine theologische Ausbildung in Verbindung mit kirchlicher Praxis und geistlicher Begleitung wünschen. Personen, die bereits in der Kirche tätig sind, könnten zudem den Studiengang der Gemeindebildung als Weiterbildung besuchen, heisst es in der Mitteilung. (vbu)