Erneut personelle Wechsel im ZIID

Das Team des Zürcher Instituts für interreligiösen Dialog (ZIID) ist fast komplett neu aufgestellt. Denn im November verliess auch noch Geschäftsleiterin Andrea König das Institut. Die Gründe für ihren Abgang werden nicht angegeben.

Das Zürcher Institut für interreligiösen Dialog (ZIID) hat turbulente Zeiten hinter sich. Fast das ganze Team verliess letztes Jahr die Institution. Anfang Jahr wurde der Fachleiterin für das Judentum, Annette Böckler, gekündigt, eine weitere Person musste das ZIID verlassen. Grund dafür waren Umstrukturierungen aus finanziellen Gründen (ref.ch berichtete). Im Sommer kündigte dann Samuel Behloul. Er wolle eine «neue berufliche Herausforderung» annehmen. Im November verliess nun auch noch Geschäftsleiterin Andrea König die Institution.

Der Stiftungsrat und Frau Andrea König hätten entschieden, sich «im gegenseitigen Einverständnis zu trennen», wie es in einer Medienmitteilung vom 28. Januar heisst. Über die Gründe ihres Abgangs wurde Stillschweigen vereinbart.

Kommuniziert wurde dieser Abgang zuvor nicht gross. Er sei «schlicht nicht dazu gekommen», sagt der neue Geschäftsleiter ad interim Michael Bürgi. Partner, Geldgeberinnen und Spender seien aber informiert worden und auf der Webseite wurde der personelle Wechsel publiziert. Michael Bürgi übernahm die Geschäftsleitung im Dezember 2020, befristet bis August 2021. Für Bürgi ist der interreligiösen Dialog Neuland. Er lebte die letzten drei Jahren in den USA und war zuvor Co-Geschäftsstellenleiter für ein nationales Forschungszentrum im Bereich Nachhaltigkeit an der ETH Zürich.

Fachstelle Judentum soll noch besetzt werden

Auch im Dezember kam Dr. des. Tabitha Walther als Programm- und Fachverantwortliche mit Schwerpunkt Christentum zum Team des ZIID. Sie ist reformierte Pfarrerin und absolvierte eine Zusatzausbildung zur interreligiösen Spitalseelsorgerin in Standford, USA.

Lejla Delic ist neu für die Administration im ZIID zuständig. Sie studierte Islamwissenschaften und nachhaltige Entwicklung und unterrichtet Religion für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in der Bosnischen Moschee in Schlieren. Weiterhin im Team ist Hannan Salamat, die als Fachverantwortliche mit Schwerpunkt Islam 2018 zum ZIID stiess. Die Fachstelle mit Schwerpunkt Judentum werde 2021 besetzt, heisst es auf der Webseite des ZIID.

«Alle ziehen am selben Strick»

Damit kehrt das ZIID anscheinend zur alten Aufteilung der Fachbereiche nach Religionsgemeinschaften zurück. Bei der Kündigung von Annette Böckler hatte der Stiftungsrat laut kath.ch angeben, neue Arbeitsbereiche schaffen zu wollen: «Religion im Dialog» und «Religion und Gesellschaft».

Zu den vielen personellen Wechseln konnte Michael Bürgi keine Auskunft geben. Er sei selber erst seit Dezember im Team. Doch das neue Team habe sich «extrem schnell» gefunden, so Michael Bürgi. Es stünden zwar viele inhaltliche Fragen an, doch es würden alle «am selben Strick ziehen». Nun gehe es darum, die eine neue Person für die Geschäftsleitung zu finden, die «stärkere inhaltliche Kompetenz» mitbringe. Ausserdem wolle man die angefangene Arbeit konsolidieren und noch weiter ausbauen.

Optimistisch fürs laufende Jahr

Der Geschäftsleiter ad interim zeigt sich optimistisch, dass ein gutes Programm zustande kommt. Zwar sei das ZIID mit der Jahresplanung etwas später dran als auch schon, aufgrund der Personalwechsel. Das Kursprogramm für das erste Halbjahr stehe aber. Im März werde es dann konkretere Informationen geben zum weiteren Programm und auch zu den Finanzen des ZIID. Finanziell müsse noch optimiert werden, gibt Bürgi zu.

Das ZIID steht finanziell schon länger auf wackligen Beinen. 2019 schloss die Rechnung mit einem Minus von knapp 228'000 Franken, im Jahr zuvor waren es noch gut 418'000 Franken gewesen. Sogar eine Schliessung des ZIID wurde diskutiert. «Doch bis jetzt sieht es gut aus», so Bürgi. Man arbeite daran, wie man das Zielpublikum für die Kurse erweitern könne und auch vermehrt junge Menschen ansprechen, etwa mit Angeboten für Schulen. (mos)