Kino

Neuer Film über Verdingkinder

Der Schweizer Dokumentarfilm «Nebelkinder» setzt sich mit dem Schicksal von Verdingkindern auseinander. Diese Woche läuft er in den Kinos an.

Menschen, die schweigen. Menschen, die sich schwertun mit Worten. Menschen, die zögern beim Erzählen. Es sind solche Szenen, die dafür sorgen, dass der Film «Nebelkinder» von Regisseurin Corinne Kuenzli lange im Kopf bleibt. Er beleuchtet ein Thema, das lange im Verborgenen geblieben ist – nicht nur bei den Betroffenen: Das Schicksal der Verdingkinder.

«Nebelkinder» lebt von starken Emotionen: der Film zeigt die überforderten Eltern und Ungeheuerlichkeiten, die zu ihrer Zeit als normal angesehen wurden. Trotz aller Schwere und der erlebten Härte ist bei den Betroffenen kaum Ärger auszumachen. «Ich habe es auch bedauert, dass nicht so viel Wut zum Ausdruck kommt», sagt dazu Regisseurin Corinne Kuenzli. Vielleicht sei das ein Effekt der langen Arbeit am Film.

Als diese 2019 startete, war die Regisseurin bereits vier Jahre im Gespräch mit den Protagonistinnen und Protagonisten. «Als wir endlich richtig zu drehen begannen, war die Wut nicht mehr so präsent.» Trotzdem sei sie noch zu spüren, allerdings richte sie sich meist zunächst nicht gegen die Behörden oder die Politik, sondern gegen den Vater oder die Mutter. «Dies kann sich ändern, wenn die Leute erfahren, was dem Vater oder der Mutter geschehen ist», so Kuenzli.

Premiere feierte «Nebelkinder» an den Solothurner Filmtagen im vergangenen Januar. Seit dieser Woche läuft der Dokumentarfilm in den Kinos. Er wird begleitet von einem Buch, das eine der vier Protagonistinnen des Films geschrieben hat. In «Die Last der Vergangenheit. Wie ich mich auf die Suche nach der Familie begab» schreibt Sabine Mackintosh, eine der Betroffenen und Protagonistinnen im Film, eindringlich und nüchtern über einen Teufelskreis aus mütterlicher Ohnmacht, patriarchaler Gewalt und Armut. Mackintosh zeigt auch auf, dass dieser Teufelskreis über Generationen hinweg bestimmend bleibt. Es geht um die Mütter von «Nebelkindern» die den Vätern ihrer Kinder ausgeliefert waren und von den Fürsorgeämtern drangsaliert wurden.

Grundlage sind die Akten von Mackintosh' Mutter Evelyn, ihrer Grossmutter Olga und ihrer Urgrossmutter Elise. Damit ist «Die Last der Vergangenheit» ein persönliches Buch, das jedoch über die Einzelschicksale hinausweist. Es macht klar, wie schwer es den Betroffenen fiel, über das Erlebte zu reden – und, wie Mackintosh schreibt: Es nehme ihnen die Last der Vergangenheit, damit dergleichen nicht mehr geschehe. (sda/ eba)

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