Neue Kirchenpflegepräsidentin will Strassenpräsenz der Kirche forcieren

Annelies Hegnauer ist die neue Kirchenpflegepräsidentin der reformierten Kirchgemeinde Zürich. Als erste Amtshandlungen möchte sie die Reihen schliessen und dafür sorgen, dass sich die Kirche mit einer «aufsuchenden Diakonie» profiliert.

Die neue Kirchenpflegepräsidentin Annelies Hegnauer nimmt am Wahltag Gratulationen des abtretenden Präsidenten Andreas Hurter entgegen. (Bild: Lukas Bärlocher)

Am vergangenen Sonntag wurde Annelies Hegnauer als erste Kirchenpflegepräsidentin der neuen Kirchgemeinde Zürich mit rund 80’000 Mitgliedern gewählt (ref.ch berichtete). Gegenüber ref.ch legt die designierte Präsidentin dar, welche Prioritäten sie bei ihrer künftigen Arbeit setzen will. Als erstes gelte es, die Reihen in der frisch fusionierten Gemeinde zu schliessen, sagt die pensionierte Marketingleiterin: «Ich will auch eine Präsidentin für all jene sein, die Res Peter gewählt haben.»

Im operativen Bereich will Hegnauer den Fokus auf die «Beziehungspflege innerhalb der Gremien der Kirchgemeinde» legen. Als besondere Herausforderung sieht sie dabei die Sicherstellung effizienter Entscheidungswege und das Vermeiden unnötiger Bürokratie. Dabei gelte es auch auszuloten, welche Geschäfte künftig zentral und welche dezentral gelöst würden: «Ein Kompetenzreglement wurde zwar verabschiedet, aber die Krux liegt bekanntlich im Detail.» Diese Verschlankung der Abläufe werde die Kirchgemeinde in nächster Zeit sicherlich beschäftigten, sagt Hegnauer.

«Aufsuchende Diakonie»

Weiter möchte sie die Kirchgemeinde strategisch als starkes Gegenüber des Staates positionieren, so etwa im Bereich der Diakonie. «Ich wünsche mir eine Kirche, die zu den Menschen rausgeht und nicht wartet, bis diese in die Kirchenräume kommen», sagt Hegnauer. Gerade bei Themen wie Flüchtlingsarbeit, Altersarmut oder der Vereinsamung von Menschen könne sich die Kirche mit einer «aufsuchenden Diakonie» profilieren. Die Kirche solle dafür an sozialen Brennpunkten innerhalb der  Stadt präsent sein – gemeinsam mit den Katholiken. Für Hegnauer sei dies der Weg, die Menschen für eine «moderne Kirche zu begeistern und zur Mitgliedschaft zu animieren».

Res Peter wünscht Durchhaltevermögen

Der unterlegene Präsident Res Peter wünscht Annelies Hegnauer bei diesem Vorhaben «viel Kraft und Durchhaltevermögen», wie er auf Anfrage von ref.ch sagt. Er erwarte nun aber auch, dass sie bei der Bewahrung der Schöpfung und den Innovationen so Schub gebe, wie sie es im Wahlkampf stets versprochen hatte. Peter wurde als einfaches Mitglied in die siebenköpfige Kirchenpflege gewählt. Das Gremium nimmt am 1. April 2020 seine Arbeit auf. Bis dahin bleibt die Übergangskirchenpflege im Amt. (bat)