Klimawandel

So viel kosten Naturkatastrophen pro Person

Die Hilfsorganisation «Christian Aid» hat eine Rangliste der Unwetter, Brände und Dürren 2023 aufgestellt. Berechnet auf die Einwohnerzahl entstand der größte Schaden 2023 durch die Waldbrände auf Hawaii. Zu den 20 besonders betroffenen Ländern zählen auch Libyen, der Inselstaat Vanuatu und Italien.

Im Juli 2023 brannte tagelang der Schutzwald oberhalb Bitsch VS. Die Dürre im Wallis hatte die Waldbrandgefahr erhöht. Die Flammen loderten bedrohlich hinter dem Schloss Stockalper in Brig. (Bild: Jean-Christophe Bott/ KEYSTONE)

Naturkatastrophen nehmen zu, Experten sehen den Klimawandel als Auslöser. Dürren, Überschwemmungen oder Brände verursachen menschliches Leid – und hohe Kosten. Die britische Hilfsorganisation «Christian Aid» hat in einem Report die Schadenssummen auf die Anzahl Bewohner der betroffenen Gebiete umgerechnet und eine Rangliste der teuersten Katastrophen 2023 aufgestellt.

Die Brände auf Hawaii kosteten die Bewohnerinnen und Bewohner des US-Bundesstaats laut dem Report der britischen Hilfsorganisation im Schnitt 4161 US-Dollar (3550 Franken) pro Person. Insgesamt verursachten die Feuer vom August demnach einen Schaden von schätzungsweise sechs Milliarden Dollar. 

«Die Brände auf Hawaii kosteten 4161 Dollar pro Person.»
Aus dem «Christian Aid»-Report

Die Folgen des Klimawandels seien immer offensichtlicher, sagte «Christian Aid»-Geschäftsführer Patrick Watt. Die Kosten der Erderwärmung zeigten sich in Häusern, die von Fluten weggespült werden, sowie Ernte- und Viehverlusten infolge von Dürren. Auch in anderen Ländern und Regionen entstanden laut der Hilfsorganisation große volkswirtschaftliche Schäden.

Auf Platz zwei der Rangliste steht die Insel Guam im Westpazifik. Im Mai habe der Sturm «Mawar» dort Kosten in Höhe von 1240 Franken pro Person verursacht. Den dritten Platz belegt der Inselstaat Vanuatu, wo zwei Zyklone jeden Einwohner im Schnitt 808 Franken kosteten. Hohe Kosten haben laut dem Ranking auch Fluten in Libyen, Peru und Haiti verursacht. 

«Die Folgen des Klimawandels sind immer offensichtlicher.»
Patrick Watt, Hilfsorganisation Christian Aid

Als europäische Länder sind Italien und Spanien in der Liste der 20 teuersten Unwetterkatastrophen vertreten. Für Italien verweisen die Fachleute auf die Überschwemmungen in der Region Emilia-Romagna. Teile Spaniens hingegen waren im April von extremer Trockenheit betroffen. Die Gesamtkosten lagen dem Bericht zufolge bei schätzungsweise 2,4 Milliarden Dollar, etwa 43 Franken pro Kopf. 

Die Schweiz erlebte im Juli 2023 eine Naturkatastrophe, welche die Auswirkungen des Klimawandels vor Augen führte: Im sogenannten Wasserschloss brannte tagelang der Wald. Im Oberwallis oberhalb der Gemeinde Bitsch brannte der Bannwald. Ein Auslöser dafür war die Dürre.

Die ETH-Professorin Manuela Brunner schreibt im Zukunftsblog der Hochschule, dass das Wasserschloss im Stresszustand sei. In der Schweiz falle im Vergleich zu früher weniger Schnee, der Wasser speichere und bei der Schneeschmelze verzögert abgebe. «Deshalb begünstigt Schneemangel im Winter Trockenheit im folgenden Sommer.»

«Schneemangel begünstigt Trockenheit im folgenden Sommer.»
Manuela Brunner, ETH-Professorin

Das Jahr 2023 wird laut der Weltorganisation für Meteorologie das heisseste seit Beginn der Aufzeichnung. Mit der zunehmenden Erderwärmung werden Extremwettereignisse wie Stürme oder starke Regenfälle häufiger und intensiver. Auch die Gefahr von Waldbränden nimmt vielerorts zu. 

Für die Rangliste haben die Fachleute nach eigenen Angaben auf die Datenbank EM-DAT zurückgegriffen, in der Informationen zu Katastrophen zusammengetragen werden. Zudem seien Daten der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds berücksichtigt worden. (epd/ dst)