Abstimmung Klimaschutzgesetz

«Der Morteratschgletscher zerfällt richtiggehend»

Mit einer Zeremonie am Fusse des Morteratschgletschers haben am Samstag rund 150 Personen auf die Gletscherschmelze aufmerksam gemacht.

Noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen vor über 100 Jahren sei der Gletscherrückgang in den Alpen so stark gewesen wie in den letzten Jahren. Dies sagte der Glaziologe Matthias Huss am Samstag bei einer Feier im Bündner Hochgebirge. Die Häufung von sehr warmen Phasen habe dazu geführt, dass der Morteratschgletscher, den Huss seit über zehn Jahren erforscht, «richtiggehend in sich zerfällt».

Verschiedene Entwicklungs- und Umweltorganisationen, darunter die Hilfswerke Heks und Fastenaktion, die Koalition «Christ:innen für Klimaschutz» sowie die Alpeninitiative, hatten zu einer Zeremonie am Fusse des Morteratschgletschers geladen. Damit wollten sie auf die vom Rückgang bedrohten Gletscher aufmerksam machen und gleichzeitig für ein Ja zum Klima- und Innovationsgesetz werben, das am 18. Juni an die Urne kommt. Mit dem Gesetz soll die Schweiz bis 2050 klimaneutral werden.

Wie die Organisationen in einer Mitteilung schreiben, seien die Tage der Gletscher gezählt. Viele von ihnen würden in den nächsten Jahrzehnten verschwinden oder seien heute schon ganz weg. «Die Schweiz muss endlich Verantwortung übernehmen, um die Folgen der Klimakrise abzuschwächen», heisst es im Communiqué. «Deshalb ist ein Ja zum Klimaschutzgesetz am 18. Juni dringend notwendig.»

Input aus reformierter Sicht

An der Zeremonie teilgenommen hat auch Erika Cahenzli, Kirchenratspräsidentin der Evangelisch-reformierten Landeskirche Graubünden. Sie hielt ein kurzes Inputreferat zum Klimawandel aus christlicher Sicht.

Gegenüber ref.ch betont Cahenzli, dass sie «selbstverständlich» keine Parole habe herausgeben wollen, dass es ihr aber wichtig gewesen sei, die Perspektive des Bündner Kirchenrates einzubringen. Dieser habe sich vor drei Jahren umweltgerechtes Handeln als Legislaturziel gesetzt und seither unter anderem einen Umweltfonds ins Leben gerufen. Daraus werden etwa Gemeinden unterstützt, die ihre Liegenschaften energetisch sanieren wollen.

Laut Cahenzli sei gerade in einem Bergkanton wie Graubünden der Klimawandel deutlich spürbar – etwa dort, wo der Permafrost auftaue. Deshalb sei es wichtig, dass sich die Kirche grundsätzlich an der Diskussion beteilige. «Wir alle stehen in der Verantwortung, die Schöpfung zu bewahren und den Planeten lebenswert zu erhalten – für die nachfolgenden Generationen», so Cahenzli. (vbu)