Nach Feuerpause wieder heftige Kämpfe im Gazastreifen
Nach einwöchiger Waffenruhe ist der Krieg im Gazastreifen mit voller Wucht zurück. Aus dem Gazastreifen wurden Dutzende Raketen auf Israel abgefeuert, während israelische Streitkräfte Ziele im Gazastreifen bombardierten. Bemühungen um eine Verlängerung der Feuerpause und weitere Geiselfreilassungen waren zuvor gescheitert.
Der Hamas-Angriff auf Israel mit etwa 1200 Toten und über 200 verschleppten Geiseln war Anlass der israelischen Offensive im Gazastreifen. Vor einer Woche hatten Israel und die Hamas unter Vermittlung Katars, Ägyptens und der USA erstmals eine Feuerpause vereinbart, die zweimal kurz verlängert wurde. In der Zeit liess die Hamas 105 Geiseln frei, Israel im Gegenzug 240 palästinensische Häftlinge.
Zudem gelangten tonnenweise Hilfsgüter in den Gazastreifen für die rund zwei Millionen palästinensischen Zivilisten. Der Palästinensische Rote Halbmond sprach von 1000 Lastwagen mit Hilfsgütern, davon 310 für den Norden des abgeriegelten Gebiets.
Konfliktparteien beschuldigen sich gegenseitig
Eine weitere Verlängerung der Vereinbarung gelang in der Nacht zum Freitag nicht mehr. «Die Hamas ist ihrer Verpflichtung, alle weiblichen Geiseln freizulassen, heute nicht nachgekommen und hat Raketen auf israelische Bürger abgefeuert», liess das Büro von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verlauten. Bei dem Beschuss aus dem Gazastreifen wurden nach israelischen Medienberichten in einem israelischen Grenzort fünf Soldaten verletzt.
Der Hamas-Funktionär Chalil Al-Haja sagte seinerseits dem arabischen TV-Sender Al-Dschasira, Israel habe «mehrere Angebote, Initiativen und Vorschläge» für eine Verlängerung der Feuerpause abgelehnt. Nach Fristablauf am Freitagmorgen griffen israelische Kampfjets nach Armeeangaben dann erneut Ziele der Hamas an.
Hamas meldet Dutzende Tote
Israels Armee zog nachmittags eine erste Bilanz und sprach von 200 Zielen der Boden-, Luft- und Seestreitkräfte. Nach Angaben der Armee soll auf Gebiete gezielt worden sein, die mit Sprengstofffallen versehen waren, sowie auf Schächte von Tunneln, Abschussrampen und operative Kommandozentralen. Die Angaben waren nicht unabhängig zu überprüfen. Das gilt auch für Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums im Gazastreifen, wonach bei den Angriffen 109 Menschen getötet worden sein sollen. Hunderte weitere seien verletzt worden, teilte ein Sprecher mit.
Seit Auslaufen der Feuerpause im Gaza-Krieg sind offiziellen Angaben zufolge keine Hilfslieferungen mehr über den ägyptischen Grenzübergang Rafah im Gazastreifen angekommen. Das bestätigte der Sprecher des Grenzübergangs der Deutschen Presse-Agentur. Das UN-Nothilfebüro OCHA forderte freien Zugang für weitere Hilfskonvois.
Mahnungen der USA an Israel
US-Aussenminister Antony Blinken hatte am Vortag Israels Führung mit deutlichen Worten aufgefordert, Zivilisten im Gazastreifen zu schützen. Die zahlreichen Todesopfer unter der Zivilbevölkerung und die Vertreibung in einem Ausmass, wie man sie im nördlichen Gazastreifen gesehen habe, dürfe sich im Süden nicht wiederholen, mahnte er.
Die israelische Regierungssprecherin Tal Heinrich sagte dem Fernsehsender CNN am Freitagmorgen, man habe Blinken Pläne für sichere Zonen und mehr humanitäre Korridore vorgelegt. «Wir wollen also das Leiden der Zivilbevölkerung in Gaza lindern», sagte Heinrich. Eine interaktive Karte solle Bewohnern ermöglichen, «sich zu orientieren, die Anweisungen zu verstehen und sich bei Bedarf von bestimmten Orten aus in Sicherheit zu bringen».
Die israelische Regierung bekräftigte das Ziel, die Hamas zu zerstören. Sie vermutet, dass noch 137 Geiseln im Gazastreifen festgehalten werden, darunter 115 Männer, 20 Frauen und zwei Kinder. In der letzten Phase der Feuerpause waren am Donnerstag acht Geiseln freigekommen. (sda/ pef)