Michel Müller als Kirchenratspräsident wiedergewählt

Die Synode der reformierten Zürcher Landeskirche hat Michel Müller im Amt des Kirchenratspräsidenten bestätigt. Müller setzte sich dabei gegen zwei Herausforderer durch.

Der Zürcher Kirchenratspräsident Michel Müller. (Archivbild: Gion Pfander)

Am 1. Oktober trat das neue Parlament der Zürcher Landeskirche zu seiner ersten, konstituierenden Sitzung zusammen. Wichtigstes Traktandum dabei: Die Wahl des Kirchenratspräsidenten respektive der Kirchenratspräsidentin für die Legislatur 2019 – 2023.

Dieses Geschäft hatte im Vorfeld für einige Aufregung gesorgt: Hatte es lange so ausgesehen, als wäre Amtsinhaber Michel Müller bereits für eine dritte Amtszeit gesetzt, bekam er Anfang Juni überraschend Konkurrenz.

Ein Komitee, das weitgehend anonym blieb, schlug Pfarrerin Gina Schibler aus Volketswil und Pfarrer Marcus Maitland aus Hittnau als Gegenkandidaten vor. Dass sich ausser den nicht mehr in der Synode vertretenen Kurt Stäheli und Karl Stengel niemand öffentlich zu den Kandidaturen bekannte, wurde unter anderem in einem offenen Brief von vier Synodalen kritisiert.

Das Komitee um Maitland und Schibler äusserte gegenüber dem Amtsinhaber happige Vorwürfe. Von einem «Klima der Angst» war die Rede, davon, dass Geschäfte in der Synode «durchgepeitscht» und gewisse Personen oder Gruppen «geringgeschätzt» würden.

Ähnliches war dann auch in der Sitzung vom 1. Oktober zu hören. «Die Synode ist für den Kirchenrat und namentlich seinen Präsidenten offenbar kein Gegenüber mehr», sagte Adrian Honegger, der die beiden Gegenkandidaturen offiziell vorstellte. Es sei vielmehr so, dass das Parlament wohl als lästig empfunden werde. Rückfragen seien unerwünscht, Angriffe auf die Person dagegen kämen immer häufiger vor. Insgesamt habe er die letzten acht Jahre unter Müller als bedrückend empfunden, so Honegger. «Jetzt braucht es einen Neuanfang.»

Klare Mehrheit für Müller

Eva Ebel, Präsidentin des Synodalvereins, zu dem auch Müller gehört, hielt dagegen. Sie schilderte den Kandidaten ihrer Fraktion als Kirchenpolitiker mit grosser Erfahrung, aber auch als Mann, der den Mut habe hinzustehen mit seiner Meinung und seinen Emotionen. «Er verkörpert in seiner Person den Anspruch unserer Kirche, nahe bei den Menschen, vielfältig und profiliert zu sein», so Ebel.

Dass von den Herausforderern und ihren Unterstützern das Reformprojekt «Kirchgemeinde Plus» herangezogen werde, um aufzuzeigen, was ihrer Meinung nach schlecht laufe in der Zürcher Kirche, wollte Ebel nicht gelten lassen. «Es ist sachlich falsch, den Präsidenten persönlich dafür verantwortlich zu machen, was im Zusammenspiel von Synode und dem Kirchenrat als Kollegialbehörde entschieden worden ist.»

Nach einigen wenigen Wortmeldungen schritt die Synode zur Abstimmung. Wiedergewählt wurde Michel Müller schliesslich mit 67 Stimmen bei einem absoluten Mehr von 59 Stimmen. Auf Marcus Maitland entfielen 19 Stimmen, auf Gina Schibler 9 Stimmen. Vereinzelte erhielten 21 Stimmen.

Dank an die Gegner

Gegenüber ref.ch sagte Müller, er empfinde das Resultat als sehr «gesund». «Ich nehme ernst, dass es Kritik gibt, auch an meiner Person.» Dennoch sei die Unterstützung der Synode klar ausgefallen und er könne so mit einem guten Gefühl in die neue Legislatur gehen. In seinem offiziellen Votum nach der Wahl dankte Müller allen, die «mit ihrem Namen und ihrer Kritik hingestanden» sind. «In unserer Kirche soll man anderer Meinung sein, dann aber auch wieder zusammenfinden können», so Müller abschliessend.

Die beiden unterlegenen Kandidaten gratulierten dem neuen und alten Amtsinhaber zur Wahl und betonten, dass sie weiterhin bereit seien, für die Kirche und an der Kirche weiterzuarbeiten.