Zürcher Synode stellt sich hinter Reformprozess

Kontrovers diskutierten die Zürcher Synodalen an der ausserordentlichen Sitzung vom 4. Juli das Reformprojekt KirchGemeindePlus. Am Ende überwog aber doch der Wunsch, den Prozess nicht zu gefährden.

In einer langen Debatte berieten die Zürcher Synodalen im Rathaus über den Bericht des Kirchenrats.
In einer langen Debatte berieten die Zürcher Synodalen im Rathaus über den Bericht des Kirchenrats. (Bild: Wikimedia)

«Schönfärberisch», «tendenziös», «zu wenig ergebnisoffen»: Diese Vorwürfe musste sich der Zürcher Kirchenrat bei der Beratung seines Vernehmlassungsberichts zum Reformprozess KirchGemeindePlus anhören. In der Vernehmlassung hatte der Kirchenrat die Zürcher Kirchgemeinden zu den Themen Reformplan, Zeitplan und Form der Zusammenarbeit befragt. Schon im Vorfeld zur ausserordentlichen Synode vom 4. Juli war an Methodik und Interpretation der Ergebnisse Kritik laut geworden.

Verunsicherung bei Kirchgemeinden

Kritische Stimme gab es auch nun wieder viele. Urs-Christoph Dieterle, Präsident der vorberatenden Kommission, beanstandete, der Kirchenrat habe die Ergebnisse der Umfrage unter den Zürcher Kirchgemeinden zu sehr im eigenen Sinn interpretiert. Auch seien die Kirchgemeinden nicht zu ihrer grundsätzlichen Haltung gegenüber dem Reformprozess befragt worden. Dieterle empfahl den Bericht deshalb zur ablehnenden Kenntnisnahme.

Andere Synodale monierten, dass die Verunsicherung in den Kirchgemeinden aufgrund der Umfrage eher gestiegen sei. Besonders kleine Kirchgemeinden fürchteten, im Reformprozess unter die Räder zu kommen, hiess es immer wieder. In diesem Zusammenhang wurde auch kritisiert, dass Antworten in der Befragung für ungültig erklärt worden seien, weil Kirchgemeinden in der vorgegebenen Auswahl keine passende Option gefunden hatten. Die Vorbehalte gegenüber der Interpretation der Befragung fasste der Synodale Adrian Honegger so zusammen: «Zwingli sagte: Tut um Gottes Willen etwas Tapferes. Tapfer ist aber vor allem die Auslegung des Kirchenrats.»

Pragmatismus überwiegt

Trotzdem überwogen am Ende die Stimmen, die dem Bericht zwar skeptisch, aber wohlwollend gegenüberstanden. Der Kirchenrat habe inzwischen erkannt, dass neben dem Zusammenschluss auch andere Formen der Zusammenarbeit zwischen Kirchgemeinden berücksichtigt werden müssten, betonte etwa Hans Peter Murbach, Präsident der Geschäftsprüfungskommission. Auch der Synodale Dieter Graf hob hervor: «Ich bin sehr froh, dass der Kirchenrat dazugelernt hat.» In die gleiche Kerbe schlug Eva Ebel vom Synodalverein: Eine ablehnende Kenntnisnahme des Berichts würde nur für zusätzliche Verunsicherung bei den Kirchgemeinden sorgen.

Diese Sichtweise dominierte schliesslich auch in der Abstimmung: 68 Synodale stimmten für die Kenntnisnahme des Berichts des Kirchenrats, 28 hielten an der ablehnenden Kenntnisnahme fest, und drei enthielten sich.

Millionenüberschuss

Weniger kontrovers gestaltete sich die Genehmigung von Jahresbericht und Jahresrechnung 2016. Mit einem Ertragsüberschuss von 5,029 Millionen Franken lag man deutlich über den budgetierten 412‘000 Franken. Zu dem guten Ergebnis trugen unter anderem Einsparungen beim Personalaufwand, tiefere Sachkosten und geringere Kirchenratsbeiträge wie Kredite und Stipendien bei. Der Ertragsüberschuss wird dem Eigenkapital zugewiesen. Unbestritten war auch die Genehmigung des Jahresberichts.

Weiter wurden an der Synode personelle Änderungen in der Geschäftsprüfungskommission bekanntgegeben. An die Stelle des per 30. August ausscheidenden Präsidenten Hans Peter Murbach tritt Bruno Kleeb, bisher Mitglied der GPK. Neu in das siebenköpfige Gremium gewählt wurde Thomas Illi.