Zürcher Synodefraktionen zeigen wenig Verständnis für Sprengkandidaturen

Michel Müller wird als Zürcher Kirchenratspräsident von Gina Schibler und Marcus Maitland herausgefordert. Die Fraktionen des Kirchenparlaments kritisieren das Vorgehen der Sprengkandidaten.

Wenn die Synode am 1. Oktober im Zürcher Rathaus tagt, wird sie unter anderem den Präsidenten des Kirchenrates zu wählen haben. Zur Auswahl stehen aktuell Michel Müller sowie die Herausforderer Gina Schibler und Marcus Maitland. (Bild: Keystone / Christian Beutler)

Die Wahl für das reformierte Zürcher Kirchenratspräsidium wird nicht so glatt verlaufen, wie gedacht: Pfarrerin Gina Schibler aus Volketswil und Pfarrer ­Marcus Maitland aus Hittnau fordern ­den amtierenden Kirchenratspräsidenten ­Michel Müller heraus. Die beiden Sprengkandidaten machten ihre Kandidatur am 24. Mai im Tages-Anzeiger öffentlich. Am 4. Juni stellten sie sich zudem in einer Pressekonferenz den Medien vor (ref.ch berichtete).

Dieses Vorgehen stösst bei den Fraktionen der Synode – dem Parlament der Reformierten Kirche Kanton Zürich – allerdings auf Unverständnis. «Ich habe von den Kandidaturen aus den Medien erfahren», sagt Ruth Derrer Balladore, Präsidentin der Liberalen Fraktion, auf Anfrage. Dass Schibler und Maitland nicht vorher auf die Fraktionen zugegangen sind, findet die Fraktionspräsidentin «ungewohnt.» Offenbar habe man nicht den Mut gehabt, im Vorfeld offen mit den Fraktionen zu sprechen, und mache dies nun hinter ihrem Rücken.

«Jeder hat das Recht zu kandidieren. Ich erwarte aber, dass wir darüber richtig informiert werden», sagt Derrer Balladore weiter. Man werde nun darauf warten, dass eine offizielle Kandidatur zuhanden der Fraktion bekanntgegeben werde, damit man das weitere Vorgehen besprechen könne.

Kein Hearing bei den Religiös-sozialen

Noch deutlichere Worte findet ­Matthias Reuter, Präsident der Religiös-sozialen Fraktion: «Wir werden Gina ­Schibler und Marcus Maitland weder unterstützen noch zu Hearings einladen.» Dies, weil die beiden an der Pressekonferenz angekündigt hatten, als einfache Mitglieder für den Kirchenrat kandidieren zu wollen, sollte ihr Kampf ums Präsidium scheitern. Damit würden sie auch die ­zwei bisherigen Kirchenratsmitglieder der ­Religiös-sozialen konkurrieren. «Wir haben mit Esther Straub und Bernhard Egg unsere Kirchenräte nominiert. Das wird auch so bleiben», sagt Reuter.

Er möchte zudem entkräften, dass seine Frak­tion aufgrund des linken Profils von Schibler etwas mit ihrer Kandidatur zu tun habe: «Wir stecken ganz klar nicht dahinter.» Dass jemand, der keinerlei Erfahrung in der Synode oder im Kirchenrat hat, gleich fürs Kirchenratspräsidium kandidiert, bezeichnet Reuter als «sehr steil».

Synodalverein stellt sich hinter Müller

Eva Ebel wiederum äussert sich zur Kritik, welche die beiden Sprengkandidaten und ihr Unterstützerkomitee am Amtsinhaber angebracht haben. So würde der Kirchenrat unter Müllers Ägide Geschäfte «durchpeitschen» und Personen in der Synode geringschätzen, hiess es an der Medienkonferenz vom 4. Juni. «Ich nehme in der Synode kein Klima der Angst wahr», sagt dagegen Ebel als Präsidentin des Syn­odalvereins, der offiziell Müller unterstützt.

Besonders stossend finde sie zudem, dass diejenigen, die sich hinter Schibler und Maitland stellen, weitgehend anonym bleiben. «Es macht keinen guten Eindruck, wenn man nicht zu seiner Meinung stehen kann.» Ebel spricht damit die Tatsache an, dass sich bisher erst zwei Personen aus dem Komitee offiziell zur Lancierung der Sprengkandidaturen bekannt haben. Wer sonst noch dahinter steht, ist unklar.

Abwarten bei der Evangelisch-kirchlichen Fraktion

Willi Honegger von der Evangelisch-kirchlichen Fraktion wiegelt derweil ab. Zuerst müsse man sich nach dem Sommer neu formieren, dann schaue man weiter. Für Gespräche mit den Kandidaten sei man jedenfalls offen, sollten sie auf die Fraktion zukommen. «Alles andere wäre undemokratisch», sagt Honegger.

Dieser Beitrag erschien in leicht gekürzter Form erstmals in bref, dem Magazin der Reformierten.