Synodale kritisieren anonymes Komitee bei Zürcher Kirchenratswahlen

Bei der Wahl ins Zürcher Kirchenratspräsidium werden zwei Kandidaten von einem anonymen Komitee unterstützt. Das finden verschiedene Synodale stossend und kritisieren dies in einem offenen Brief. Einer der Kandidaten nimmt nun Stellung.

Vier Synodale der Zürcher Landeskirche wendeten sich mit einem Brief an die Öffentlichkeit.

«Als junge Synodale können wir nicht wortlos hinnehmen, wie hier mit unserer Kirche umgesprungen wird», heisst es in einem offenen Brief, der am 23. September publiziert worden ist. Unterzeichnet haben ihn Sibylle Forrer, Michael Wiesmann, Katja Vogel und Manuel Joachim Amstutz. Sie gehören unterschiedlichen Fraktionen der reformierten Zürcher Synode an.

Grund für die Aufregung ist ein weitgehend anonymes Komitee, das für die Wahl in das Kirchenratspräsidium am 1. Oktober zwei Kandidaten vorgeschlagen hat: Neben dem amtierenden Präsidenten Michel Müller stellen sich der Pfarrer Marcus Maitland und die Pfarrerin Gina Schibler als Herausforderer zur Wahl.

«Keine Glaubwürdigkeit»

Laut dem offenen Brief stelle ein solches Vorgehen einen Rückschritt gegenüber der Gesinnungsfraktion dar. «Das anonyme Komitee ist in hohem Masse intransparent. Seine Entschlüsse können daher von den Fraktionen nicht beachtet werden», heisst es.

So könne ein anonymes Komitee auch keine Glaubwürdigkeit für sich beanspruchen. «Seine Mitglieder halten das Unterfangen nicht für wert, um mit ihrem Namen dafür einzustehen.» Insgesamt seien so gar die kirchlichen Institutionen gefährdet. Deshalb würden die Verfasserinnen des Briefes dazu aufrufen, Michel Müller, den bisherigen Kirchenratspräsidenten, erneut zu wählen.

«Klima der Angst»

Dass sich Synodale über das anonyme Unterstützerkomitee ärgern, kann Kandidat und Pfarrer Marcus Maitland bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen. «Ich würde mir wünschen, dass sie dies nicht anonym tun müssten und mit Namen hinstehen könnten», sagt er auf Anfrage von ref.ch. Es herrsche aber ein «Klima der Angst», das ihn in diesem Ausmass selber überrascht habe. «Wer sich kritisch äussert, muss offenbar fürchten, unter Druck gesetzt und beispielsweise bei der Zuteilung der Pfarrstellen benachteiligt zu werden», sagt Maitland.

Er selbst lasse sich als Kandidat vom Komitee portieren, weil neben den anonymen Unterstützern mit Kurt Stäheli und Karl Stengel auch «bewährte Synodale» dabei seien. Stengel und Stäheli werden allerdings am 1. Oktober nicht mitwählen können, da sie nicht mehr im Parlament sitzen.

Den Vorwurf, dass sie antidemokratisch handeln würden, kann Maitland trotzdem nicht verstehen. «Die Wahl erfolgt nach den demokratischen Grundrechten unserer Kirchenordnung.» Zudem hätten er und Gina Schibler sich früh der Öffentlichkeit vorgestellt, die sich so ein eigenes Bild der Kandidaten habe machen können – unabhängig von der Unterstützung eines anonymen Komitees.

Gina Schibler war für eine Stellungnahme für ref.ch nicht erreichbar.