Synode Refbejuso
Die Metalchurch will nicht mehr Bittsteller sein
Bild: Metalchurch
Lange war es ein Pilotproiekt, nun soll die Metalchurch fest in der Kirchenlandschaft verankert werden. Die Gemeinde, die sich der Heavy-Metal-Szene widmet, ist inhaltlich und rechtlich ein Spezialfall. Sie bietet Gottesdienste mit Metal-Konzerten an, es gibt regelmässige Treffen, an denen man sich über die Bibel austauscht. Darüber hinaus hat man Seelsorge an Musikfestivals aufgebaut. Unter anderem beim Greenfield Openair in Interlaken (ref.ch berichtete). «Wir sind mitten in der Szene angekommen», sagt Metalpfarrer Samuel Hug auf Anfrage von ref.ch.
Diese Szene ist nicht an einen Ort gebunden, sondern mobil. An knapp 30 Konzerten und Festivals in der halben Schweiz ist die Metalchurch pro Jahr mit Teams oder Einzelpersonen präsent. Der Bezug zu Bern ist aber klar: Die Gottesdienste finden in einem säkularen Club auf Boden der Kirchgemeinde Oberbipp statt, Pfarrer Samuel Hug lebt in Kirchberg, wo darum eine offizielle Partnerschaft mit der Kirchgemeinde besteht. Der Sitz des Vereins ist in Bern.
Metalchurch kann keine Steuern erheben
Gestartet hat die Metalchurch vor 14 Jahren als reines Freiwilligenprojekt. Seit 2018 jedoch unterstützen die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn (Refbejuso) die Metalchurch mit einem Beitrag der Synode. Denn weil die Szenekirche nicht territorial organisiert ist, kann sie keine Steuern erheben.
«Solange es keine grundsätzliche Systemänderung bei der Kirchenmitgliedschaft gibt, wird sich das auch nicht ändern», sagt Hug. Mittlerweile ist er in Vollzeit für die Metalchurch angestellt, zuvor war er auch noch Pfarrer in Niederbipp und Wattenwil. Die 2022 geschaffene «Innovationspfarrstelle» wird wie die Ortspfarrstellen von der Kantonalkirche bezahlt.
Synode entscheidet über unbefristeten Betrag
In den ersten vier Beitragsjahren flossen jährlich 45‘000 Franken von Refbejuso zur Metalchurch. Ab 2022 erhöhte sich der Betrag auf 105‘000 Franken pro Jahr. Diese Unterstützung läuft nun aber aus. An der Synode vom 17. und 18. November steht deshalb ein Antrag von einer Unterstützung von jährlich 180‘000 Franken zur Debatte, diesmal unbefristet. Es geht um die Personalkosten für die Sozialdiakonin und die Verwaltung sowie den Betrieb der gewachsenen Gemeinde inklusive der eingangs erwähnten Anlässe und Dienste.
Bei einem Nein würde der Synodalrat in eigener Kompetenz Gelder für einen «geordneten Rückzug» sprechen. Die Metalchurch wäre dann wohl Geschichte. Ob es dazu kommen wird? Wahrscheinlich nicht. Der Synodalrat steht «vorbehaltlos» hinter dem Kredit, die Geschäftsprüfungskommission empfiehlt einstimmig die Annahme. Der letzte Kreditantrag für 105‘000 Franken kam 2021 mit 84 Prozent Ja-Anteil deutlich durch.
Eigenfinanzierung scheint unrealistisch
Allerdings gab die Synode dem Synodalrat damals den Auftrag, alternative Finanzierungen ab 2026 zu prüfen. Das scheint aber nicht realistisch zu sein. Laut Jahresbericht beliefen sich die Kosten im letzten Jahr auf 217‘000 Franken. Davon konnte die Metalchurch rund 40‘000 Franken selber tragen. «In Form von Beiträgen und Spenden», wie der Metalpfarrer ausführt.
Sein Fazit ist klar: «Wir setzen mit Überzeugung auf Spenden, doch dieses Geld allein reicht nicht, um die Metalchurch zu finanzieren.» Er findet den Anspruch an eine vollständige Eigenfinanzierung auch nicht fair. Eben, weil sie nicht auf die Kirchensteuern aller zugewandten Personen zurückgreifen können, die direkt an die Ortskirchgemeinden gehen.
Dass der Verein nur 26 Mitglieder hat, erklärt die Metalchurch so: «Zugehörigkeit und Teilhabe wird heute für eine Mehrheit der Menschen nicht mehr durch formelle Bindung an eine Institution ausgedrückt. Darum werden die formal-juristischen Formen so schlank wie möglich und nur so breit wie nötig gehalten.» Entscheidend ist für das Metalchurch-Leitungsteam eine andere Kennzahl: Laut Jahresbericht engagierten sich im letzten Jahr 112 Freiwillige für die Gemeinde.
Nebst dem Kredit ersucht die Metalchurch deshalb um eine formelle Verbundenheit mit Refbejuso. «Wir haben uns von Anfang an als reformierte Kirche betrachtet.» Zu Beginn hätten sie nicht alle mit offenen Armen empfangen. «Im Gegenteil.» Doch mittlerweile hätten sie sich bewährt und das Vertrauen gewonnen.
Die erste Personalgemeinde?
Öfter habe er sich die Kritik anhören müssen, man könne doch nicht für jede Subkultur eine Kirche aufbauen. Der Metalpfarrer kontert: «Giesskannenmässig für alle ein bisschen da zu sein funktioniert nicht. Doch wenn wir fokussiert auf bestimmte Personengruppen überzeugende Arbeit leisten, bewegt das Exemplarische weit über die Subkultur hinaus.»
Dadurch zeige die Kirche, was sie auch noch sein könne und werde auch für andere wieder attraktiv. Auf dem Weg zur Metalchurch habe man zudem viel gelernt, was es brauche, um das Evangelium zu kontextualisieren. Davon könne auch der Rest der Kirche profitieren.
Wird die formelle Verbundenheit durch die Synode beschlossen, wird die Metalchurch als Personalgemeinde anerkannt. Eine Premiere für Refbejuso. «Aktuell sind wir für unsere Tätigkeiten immer Bittsteller und etwas willkürlich auf Goodwill der kirchlichen Behörden vor Ort angewiesen. Wir wünschen uns in Zukunft kirchenrechtlich mit den Ortskirchgemeinden auf Augenhöhe unterwegs sein zu können.» Eine vermeintlich banale, aber symbolisch und praktisch bedeutsame Frage dafür ist, in welches Register die pfarramtlichen Amtshandlungen der Metalchurch eingetragen werden.
Die Entwicklung der Metalchurch wirft grundsätzliche Fragen zur Kirchenzukunft auf. Refbejuso will neue Formen kirchlicher Präsenz fördern. Das hat der Synodalrat erstmals für die Legislatur 2020 bis 2023 festgehalten. Die Metalchurch galt ihm dabei als Leuchtturmprojekt. Denn sie zieht auch Menschen an, die in einer herkömmlichen Kirchgemeinde wohl kaum mitmachen würden.