Evangelischer Kirchentag in Hannover
Merkel setzt auf Gottvertrauen
Am evangelischen Kirchentag in Hannover ist Prominenz aufgetreten – allen voran Pfarrerstochter und Altkanzlerin Angela Merkel. Das Publikum traf auf eine gut gelaunte, aber auch selbstkritische Kanzlerin. Merkel legte einen Bibeltext aus dem Markusevangelium aus.
Auf Grundlage der Geschichte von Jesus, der von einer Griechin gebeten wird, den Dämon aus ihrer Tochter auszutreiben, sprach Merkel über Vertrauen und Beherztheit in der Politik. Gottvertrauen habe ihr oft geholfen, wenn Situationen ausweglos erschienen seien, sagte sie.
Das gelte auch für den Satz, «der mir damals oft um die Ohren geworfen wurde», sagt Merkel. Als 2015 viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, habe sie Vertrauen darin gehabt, «dass es viele Menschen in Deutschland gibt, die in dieser Notsituation helfen». Deswegen habe sie gesagt «Wir schaffen das», nicht «Ich schaffe das», sagt Merkel.
Zu den Rednerinnen zählte zudem die Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Sie ermunterte die Menschen angesichts der multiplen Krisen auf der Welt, sich nicht zurückzuziehen und zu verzagen, sondern Mut zum Widerspruch zu haben. Das Engagement gegen die «Verbohrten und Egozentrischen» zahle sich langfristig aus, sagte die Mitbegründerin von Fridays for Future. «Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen und nicht aus den Augen verlieren, worum es geht – es geht um alles», sagte Neubauer.
Der 39. Kirchentag steht unter dem Leitwort «mutig – stark – beherzt». Am Samstag wird die Washingtoner Bischöfin Mariann Budde einen Auftritt haben. Bis Sonntag sind rund 1500 Veranstaltungen zu Glaubensfragen und gesellschaftlichen Themen wie Frieden, Klimaschutz und Rechtsextremismus geplant. Die Veranstalter rechnen mit rund 100'000 Besuchern. (epd/ jow)