Mennoniten versöhnen sich mit dem Kanton Bern

Die Vorfahren der Mennoniten wurden vom 16. bis ins 18. Jahrhundert von der Berner Obrigkeit grausam verfolgt. In einer Versöhnungsfeier hat die Konferenz der Mennoniten der Berner Regierung nun offiziell vergeben.


In einer Erklärung vom 20. April vergeben die Mennoniten der Berner Regierung für das Leid, das ihren täuferischen Vorfahren vom 16. bis ins 18. Jahrhundert durch die bernische Obrigkeit zugefügt wurde.

Die Mennoniten kamen mit der Vergebung einer Bitte der bernischen Kantonsregierung nach. Im November 2017 hatte der damalige Kirchendirektor Christoph Neuhaus (SVP) die Mennoniten um Vergebung ersucht. Seither gab es mehrere Gespräche zwischen beiden Seiten.

In der Erklärung heisst es unter anderem: «Als Nachfahren der angesprochenen Täufer und Täuferinnen nehmen die Mennoniten und Mennonitinnen der Schweiz diese Bitte mit grosser Dankbarkeit und Freude an und antworten: Ja, wir vergeben!» Die Bitte um Verzeihung verstehe man als Zeichen, dass die Regierung die Glaubens- und Religionsfreiheit dissidenter Gruppierungen achten und kritische Anfragen anhören wolle. Dazu gehöre auch, die Räume zu schützen, in denen sich Glaubensgemeinschaften friedensfördernd in die Gesellschaft einbringen.

«Etwas Zeit gebraucht»

«Die Bitte zu würdigen und einzuordnen, hat etwas Zeit gebraucht, die wir uns auch genommen haben», liess sich Jürg Bräker, Generalsekretär der Konferenz der Mennoniten der Schweiz, im Communiqué zitieren. Zuvor gab es bereits eine Versöhnung zwischen den Mennoniten und der reformierten Kirche.

Ex-Kirchendirektor Christoph Neuhaus war Gast an der Feier in Tavannes im Berner Jura. Zugegen waren auch der Beauftragte für kirchliche Angelegenheiten in der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion, Martin Koelbing, der Vorstand der Konferenz der Mennoniten der Schweiz sowie Vertreterinnen und Vertreter der 13 Schweizer Mennonitengemeinden.

Die Täufer hatten sich in der Reformationszeit von der reformierten Kirche getrennt. Sie weigerten sich, die offiziellen Gottesdienste zu besuchen, Eide zu schwören und Kriegsdienst zu leisten. Zudem befürworteten sie die Erwachsenentaufe.

Religionsfreiheit seit 1848

Damit brachten sie die kirchliche und auch die weltliche Obrigkeit gegen sich auf. Im Kanton Bern, wo die Täuferbewegung stark verwurzelt war, wurden die Anhänger systematisch verfolgt. Erst mit der Aufklärung begannen die Repressionen nachzulassen.

Mit der Gründung des Bundesstaates 1848 wurde die Religionsfreiheit anerkannt. In dieser Zeit entstanden dem Täufertum verwandte Kirchen, wie die Baptisten oder die Evangelischen Täufer-Gemeinden, die sogenannten «Neutäufer». Auch die Mennoniten entstanden aus der Täuferbewegung des 16. Jahrhundert. (sda/no)