Berner Kirchendirektor bittet Täufer um Verzeihung

Der Berner Regierungsrat Christoph Neuhaus hat im Namen des Kantons Bern die Täufer um Verzeihung gebeten. Er tat dies für die staatlichen Repressalien, unter denen die Täufer in der Vergangenheit zu leiden hatten.


Neuhaus entschuldigte sich anlässlich einer Zusammenkunft im Berner Rathaus an der Nacht der Religionen, wie es in einer Mitteilung vom 17. November heisst. Dort sprach der Regierungsrat und Kirchendirektor zum Thema «Staat und Religion – Segen oder Fluch?». Eine «tiefe Tragik» ziehe sich durch die Geschichte der Täufer-Verfolgung, sagte Neuhaus. «In aller Schlichtheit» wolle er um Verzeihung bitten «für all das, was den Täuferinnen und Täufern in unserem Kanton zu Leide getan wurde.»

«Tief berührend»

Solch klare Worte der Anerkennung des geschehenen Unrechts habe es auf politischer Ebene im Kanton Bern noch nie gegeben, sagte Dorothea Loosli von der Mennonitengemeinde Bern laut der Mitteilung. Die Anwesenden hätten diese «unerwarteten Worte» dankbar entgegengenommen, so Loosli weiter. Es sei ein emotionaler und tief berührender Moment gewesen. «Mennoniten» ist eine andere Bezeichnung für Täufer.

Grausame Verfolgungen

Der Kanton Bern gehörte zu den härtesten Verfolgern dieser Freikirche. Sie entstand im 16. Jahrhundert im Zug der frühen Reformation. Das Bekenntnis zum Täufertum wurde mit Gefängnis, Folter, Güterkonfiskation und Verbannung bestraft. Bis 1571 wurde in manchen Fällen sogar die Todesstrafe vollstreckt.

Der Staat habe die Täufer, die gegen den Kriegsdienst waren und für die Freiwilligkeit der Kirchenmitgliedschaft, als Feinde der staatlichen Ordnung betrachtet und bekämpft, sagte Kirchendirektor Neuhaus in der Rede weiter. Diese blieb zunächst unbeachtet, was die Berner Mennoniten und die Evangelisch-reformierte Münstergemeinde dazu brachte, eine Medienmitteilung vorzuschlagen.

Stationenweg geplant

Die Mennonitengemeinde Bern und die Münstergemeinde wollen im kommenden Frühling in der Stadt Bern einen Stationenweg zur Geschichte der Täufer eröffnen. Er soll an das Geschehene erinnern und Stationen der Täuferverfolgung sichtbar machen. Geplant ist auch, im Rahmen dieses Stationenwegs die Worte von Neuhaus offiziell zu würdigen. (sda/no)