Islam

«Mekka war ein Naturschutzgebiet»

Der St. Galler Gymnasiast Vedat Alimi hat sich in seiner Maturaarbeit mit islamischer Umweltethik beschäftigt und ist dafür mit dem Religionspreis ausgezeichnet worden. Alimi sagt: Für Muslime ist Nachhaltigkeit Pflicht.

Stellt das Wasser beim Zähneputzen ab: Gymnasiast und praktizierender Muslim Vedat Alimi. (Bild: zVg.)

Herr Alimi, warum interessieren Sie sich für islamische Umweltethik?
Ich wollte eine andere Seite des Islams zeigen als jene, über die man oft in den Medien liest. Eine Positive, bei der das Thema Nachhaltigkeit eine Rolle spielt. Ausserdem ist mir selbst der Umweltschutz sehr wichtig. Im Koran finden sich viele Stellen dazu. Ich wollte diese raussuchen und einordnen, damit Muslime sich bewusst sind, dass zu ihren Pflichten auch der Umweltschutz gehört.

Gibt es Beispiele, wo im Koran zu Nachhaltigkeit gemahnt wird?
Bei einer Gebetswaschung hatte der Prophet zum Beispiel beobachtet, dass viel Wasser verschwendet wird. Da sagte er: «Warum verschwendest du so viel Wasser? Selbst wenn du an einem Fluss stündest, solltest du sparsam mit Wasser umgehen.» Deshalb sollte man auch nicht zwei Stunden duschen. Das ist genau so schlimm, wie zu stehlen. Viele Muslime wissen zudem nicht, dass im Koran drei Naturschutzgebiete beschrieben werden.

Naturschutzgebiete?
Ja, Mekka war zum Beispiel sein solches. Dort durfte frisches Gras nicht aus dem Boden gezogen und die Bäume nicht geschnitten werden. Auch der Tierschutz spielt in der heiligen Schrift eine Rolle. Es ist verboten, Tiere als Zielscheibe für Schiessübungen zu benutzen oder für die Trophäensammlung zu jagen. Jagd ist nur im Bereich des Fleischkonsums erlaubt. Im Heiligen Koran werden Tiere an vielen Stellen erwähnt, auch einige Suren sind nach Tieren benannt. So heisst es zum Beispiel: «Und ER erschuf die Tiere für euch. Sie liefern euch Wärme und anderen Nutzen, und ihr ernährt euch von ihnen. Und ihr erfreut euch an ihrer Schönheit, wenn ihr sie abends eintreibt und morgens austreibt.»

Der Mensch sollte also Sorge zur Schöpfung tragen?
So ist es. Davon leite ich die ethische und moralische Pflicht ab, auf die Umwelt zu achten. Gott hat die Welt in Ordnung gebracht, nachdem sie unordentlich gewesen war. Er hat sie so geschaffen, wie er sie für richtig hielt. Wir haben kein Recht, in Gottes Werk negativ einzugreifen. Aber wir dürfen es mit guter Absicht brauchen.

Was bedeutet das übertragen auf die heutige Zeit?
Das Schöne an den Koranversen ist, dass jeder für sich selbst ableiten kann, was mit Umweltschutz gemeint ist. Denn natürlich steht im Koran nirgends, dass man PET recyceln soll.

Wie nachhaltig ist Ihr Leben selbst?
Ich achte auf die Kleinigkeiten im Alltag. Wenn ich Zähne putze, lasse ich das Wasser nicht laufen. Ich trenne den Abfall. Ob diese Kleinigkeiten schliesslich etwas bringen, hat mich nicht zu interessieren. Ich mache es einfach, weil der Prophet es von mir verlangt.