Deutschland

Lübecker Altbischof Wilckens ist tot

Der deutsche Theologe und Altbischof Ulrich Wilckens war bekannt für seine Übersetzung des Neuen Testaments und schrieb noch im Ruhestand eine sechsbändige Theologie. Im Alter von 93 Jahren ist er nun gestorben.

Ulrich Wilckens war von 1981 bis 1991 Bischof in der damaligen Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Am 25. Oktober ist er mit 93 Jahren gestorben, wie die evangelische Nordkirche mitteilte. Bekannt wurde Wilckens unter anderem durch seine auflagenstarke Übersetzung des Neuen Testaments.

Nordkirchen-Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt würdigte Wilckens als streitbaren Theologen, den «eine tiefe persönliche Frömmigkeit prägte» und dem die ökumenische Verständigung ein Herzensanliegen gewesen sei.

Sein spiritueller Weg war nach Wilckens eigenen Worten von zwei «Wundern» geprägt. Wenige Wochen vor Kriegsende wurde er als 16-jähriger Soldat bei einem Kampfeinsatz von einem Panzer im Schützengraben überrollt, überlebte aber unverletzt. Dieses Wunder sei für ihn «ein Bekehrungserlebnis» gewesen. Kurz darauf beschloss er, evangelische Theologie zu studieren.

Heilung als «zweites Wunder»

Nach Stationen an den Universitäten Tübingen, Heidelberg und Marburg wurde er 1960 Professor für Neues Testament an der Kirchlichen Hochschule Berlin. 1968 wechselte er an die Universität Hamburg, bevor er 1981 zum Lübecker Bischof gewählt wurde. Nach einer schweren Krebserkrankung trat er 1991 in den Ruhestand.

Nach einer achtstündigen Operation hätten ihm die Ärzte maximal noch ein Jahr Lebenszeit gegeben, schreibt er. Dass er trotzdem geheilt wurde, sei für ihn «das zweite Wunder meines Lebens». Als Pensionär publizierte er die sechsbändige «Theologie des Neuen Testaments», die er auch als sein theologisches Vermächtnis betrachtete.

Konservativer Kritiker

Wilckens zählte zum konservativen Flügel der evangelischen Kirche und meldete sich immer wieder kritisch zu Wort. Abtreibungen, die Segnung homosexueller Paare und die «Bibel in gerechter Sprache» lehnte er strikt ab. Er kritisierte, die Kirche würde sich heute zu sehr dem Zeitgeist anpassen und die geistliche Tiefe vernachlässigen. Notwendig sei eine «Revitalisierung des Glaubens». (epd/mos)