Statistik

Deutsche Kirchen verlieren weiter Mitglieder

Die Mitgliederzahl der grossen Kirchen in Deutschland ging auch 2020 zurück. Die Austritte sind aber im Vergleich zum Vorjahr weniger geworden.

Bei den grossen christlichen Kirchen setzt sich der Trend zum Mitgliederverlust fort, die Zahl der Austritte ist während der Corona-Pandemie jedoch zurückgegangen. 2020 sank die Zahl der Angehörigen der evangelischen Kirche auf rund 20,2 Millionen (2019: 20,7), rund 22,2 Millionen Menschen gehörten der katholischen Kirche an (2019: 22,6), wie aus den am 14. Juli von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz vorgelegten Statistiken hervorgeht.

Der Mitgliederschwund summierte sich bei beiden Kirchen auf rund 884'000 Menschen. 2019 lag die Zahl noch bei 830'000. Dennoch gehören noch etwas mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Bevölkerung einer der beiden grossen Kirche an. Hinzu kommen Christen aus orthodoxen oder Freikirchen.

Weniger Taufen und Trauungen

Die Kirchenstatistik 2020 sei erheblich von den Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägt, erklärte die Bischofskonferenz. Diese habe sich vielfach auf das kirchliche Leben ausgewirkt. In beiden Kirchen gab es erheblich weniger Taufen und Trauungen. Gegen den Trend ging auch die Zahl der Kirchenaustritte zurück. Ob die Pandemie-Regeln auch den Kirchenaustritt erschwert haben, kann zurzeit allerdings nicht belegt werden.

Nach den aktuellen Berechnungen aus den 20 evangelischen Landeskirchen auf Basis der gemeldeten vorläufigen Zahlen traten laut EKD 220'000 Menschen aus der evangelischen Kirche aus. Die Zahl der Austritte sei damit im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent zurückgegangen, hiess es. Bei den Austritten meldet die Bischofskonferenz ähnliche Zahlen. Aus der katholischen Kirche traten im Jahr 2020 den Angaben zufolge 221'390 Personen aus, ein Minus von 18,8 Prozent im Vergleich zu 2019.

Austritt nicht aus konkretem Grund

Wenn auch der befürchtete grosse Einbruch bei den Kirchensteuern ausblieb, hat die Corona-Pandemie wie erwartet auch zu einem Rückgang der Kirchensteuereinnahmen geführt. Diese sind laut EKD in der evangelischen Kirche um 5,4 Prozent auf 5,63 Milliarden Euro im Jahr 2020 gesunken. Nach Angaben der Bischofskonferenz wurden 2020 von den kirchensteuerpflichtigen Katholiken im Bundesgebiet insgesamt 6,45 Milliarden Euro Kirchensteuer bezahlt (Vorjahr: 6,76 Milliarden Euro).

Das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD hatte zwischen Ende März und Ende Mai dieses Jahres eine bundesweite Online-Umfrage zum Kirchenaustritt durchgeführt. Erste Auswertungen zeigen nach Angaben der EKD, dass nur bei etwa einem Viertel der Befragten konkrete Anlässe für ihre Entscheidung ausschlaggebend gewesen seien. Trotz ihres Austritts sei eine grosse Mehrheit der Befragten der Ansicht, dass das Wirken der Kirche einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leistet. Die detaillierte Auswertung der Studie soll im Herbst veröffentlicht werden. (epd/mos)