Theologe Eberhard Jüngel ist tot

Der Tübinger Universitätsprofessor Eberhard Jüngel galt als einer der bedeutendsten evangelischen Theologen der Gegenwart. Nun ist er im Alter von 86 Jahren gestorben.

Der evangelische Theologe Eberhard Jüngel starb am 28. September, wie die Universität Tübingen am Mittwoch mitteilte. Jüngel lehrte in Berlin, Zürich und ab 1969 in Tübingen, wo er bis zu seinem Tod lebte. Dort war er auch 18 Jahre lang Ephorus des Evangelischen Stifts, einer jahrhundertealten «Kaderschmiede» der württembergischen Landeskirche, wo in der Vergangenheit schon der Astronom Johannes Kepler, der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel und der Dichter Eduard Mörike studierten.

Als Jüngels wichtigstes Buch gilt «Gott als Geheimnis der Welt» aus dem Jahr 1977. Die Dimension des Geheimnisses sei aus der Theologie fast entschwunden, weil man Geheimnis mit Rätsel verwechsele, bedauerte er. «Wenn ich das Rätsel gelöst habe, dann hat es seine Rätselhaftigkeit verloren. Je mehr ich aber von einem Geheimnis verstehe, desto geheimnisvoller wird es.» Gott sei ein «öffentliches Geheimnis», betonte der Theologe.

Akademien und Preise

Eberhard Jüngel war Mitglied zahlreicher Akademien der Wissenschaften, erhielt für sein Lebenswerk den Predigtpreis des Verlags für die Deutsche Wirtschaft, wurde Kanzler des Ordens «Pour le Mérite» für Wissenschaften und Künste und diente drei Jahrzehnte als berufenes Mitglied der Synode der
Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Eine Viruskrankheit, die seinen Kopf erfasst hatte und ihm das Lesen am Ende unmöglich machte, zwang Jüngel in den letzten Jahren in die Zurückgezogenheit. Nun verstarb er im Alter von 86 Jahren. (epd/mos)