Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion
Bilder vom Jenseits

Über Kulturen und Zeiten hinweg haben sich Menschen Jenseitsorte vorgestellt. Das illustrieren Papyri aus dem alten Ägypten, Reliefs der Maya, buddhistische Tankas oder aus neuerer Zeit etwa Auguste Rodins Höllentor nach einer Szene aus Dantes «Inferno» – um nur einige Beispiele zu nennen. In seinem neu erschienenen Bildband versammelt der britische Autor Edward Brooke-Hitching das Beste aus Himmel und Hölle. Zehn Jahre lang durchstöberte er Museen und Bibliotheken. Dabei hat er Bilder und Geschichten zusammengetragen, die den Versuch unternehmen, das Unbekannte zu illustrieren.
Dabei geht es nicht nur um Darstellungen der Hölle, sondern um das Jenseits generell. Insofern ist der Titel «Der Atlas des Teufels» etwas irreführend. Das Buch gliedert sich in Unterwelten, Mittelwelten wie Limbus und Fegefeuer und in Himmelsgefilde. Die Fülle an Material, das der Autor akribisch einordnet, ist faszinierend.
Einige Illustrationen von Teufel und Hölle als Spiegel menschlicher Abgründe sind erwartungsgemäss drastisch. Das Buch driftet aber nie ins Voyeuristische ab. Brooke-Hitching findet den richtigen Ton, wenn er die Jenseitsängste und -hoffnungen ganzer Generationen dokumentiert.
Edward Brooke-Hitching: «Der Atlas des Teufels. Eine Erkundung des Himmels, der Hölle und des Jenseits». Knesebeck, München 2022; 256 Seiten; 250 Abb.; 48 Franken.
Über Gott reden

Das Gespräch über Gott anregen, das möchte Stefan Seidel mit seinem zweiten Buch «Grenzgänge. Gespräche über das Gottsuchen». Der Theologe und leitende Redaktor der evangelischen Wochenzeitung «Der Sonntag» befragt darin neunzehn Persönlichkeiten aus Kultur und Theologie zu ihrer Beziehung zu Gott. Die Gespräche fördern bewegende Geschichten zutage. Wenn beispielsweise Jürgen Moltmann über seine Kriegsgefangenschaft im Zweiten Weltkrieg spricht und dabei die Bedeutung, die die Klagepsalmen des Ersten Testaments für ihn bekommen haben, reflektiert. Oder wie die schwer erkrankte amerikanische Theologin Deanna A. Thompson in den biblischen Geschichten nach einer tragfähigen Hoffnung sucht.
Es sind Stimmen, die sehr persönlich über Glaube, Hoffnung und Liebe Auskunft geben. Dabei war es dem Autor ein Anliegen, dass die Persönlichkeiten im Buch auf anschauliche Weise erzählen können. In seinem Vorwort schreibt er, dass die traditionelle religiöse Sprache kaum noch verstanden werde und deshalb für viele Menschen keine Relevanz mehr habe. Man mag seine Einschätzung teilen oder nicht: Die Gespräche, die er in seinem Buch versammelt, sind berührend und lesenswert.
Stefan Seidel: «Grenzgänge. Gespräche über das Gottsuchen». Claudius, München 2022; 296 Seiten; 37 Franken.
Die Rezensentin Andrea Aebi ist Pfarrerin und stellvertretende Geschäftsführerin der Reformierten Medien, die auch bref herausgeben.