Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Wie schützt man Kinder vor sexualisierter Gewalt und welchen Einfluss hatte die feministische Theologie auf die Kirchen? Um diese und weitere Fragen geht es in den Fachbuch-Tipps von «bref», dem Magazin der Reformierten.

Prävention im besten Sinn

Wie kann es gelingen, Kinder vor sexualisierter Gewalt zu schützen, ohne sie einzuschränken oder zu ängstigen? Dass sich Erwachsene mit dieser Frage oft überfordert fühlen, weiss auch Agota Lavoyer. Seit Jahren engagiert sie sich als Beraterin und Referentin sowohl im präventiven Kontext als auch im Bereich der Intervention. Gemeinsam mit der Illustratorin Anna-Lina Balke hat sie nun ihr erstes Buch veröffentlicht: «Ist das okay? Ein Kinderfachbuch zur Prävention von sexualisierter Gewalt».

Das Buch ist kein Ratgeber oder Leitfaden. Es richtet sich einerseits an Kinder im Alter von ungefähr sechs bis zwölf Jahren und andererseits an Eltern, Bezugspersonen und pädagogische Fachpersonen. Absicht der Autorin ist es, dass Erwachsene und Kinder sich anhand von alltäglichen Situationen darüber austauschen, wann ein Verhalten in Ordnung ist und wann eben nicht. Sei es beim Baden, Umziehen, Trösten, Fotografieren. Dadurch können Kinder Grenzüberschreitungen früher erkennen. Das Buch möchte aber auch Erwachsene kompetenter machen und ermutigen, ihre Haltung zu diversen Aspekten dieses Themas weiterzuentwickeln. Diese Neuerscheinung ist Prävention im besten Sinne und unbedingt zu empfehlen.


Agota Lavoyer, Anna-Lina Balke (Illustr.): «Ist das okay? Ein Kinderfachbuch zur Prävention von sexualisierter Gewalt». Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main 2022; 73 Seiten; 34 Franken.

Die Rezensentin Andrea Aebi ist Pfarrerin und stellvertretende Geschäftsführerin der Reformierten Medien, die auch bref herausgeben.

Kämpferische Frauen

Die feministische Theologie habe die Kirchen nicht nachhaltig verändert, schreiben die Herausgeberinnen von «Mächtig stolz. 40 Jahre feministische Theologie und Frauen-Kirche-Bewegung in der Schweiz», aber: «Sie hat uns verändert.» Der Sammelband zeigt, dass dieser feministische Aufbruch doch einiges bewirkt hat: Die feministische Theologie etablierte sich an den Universitäten, die Zeitschrift für feministische Theologie «FAMA» entstand, an Frauensynoden versammelten sich jeweils gut 500 Frauen. Daneben finden im Buch auch kleinere Initiativen Platz. Etwa die Frauenkirchentage, wo Frauen frei diskutierten und theologisierten – so forderten sie, dass die Kirche für ihr Frauenbild Busse tue. Eine andere Autorin schildert Rituale von Jahreszeitengruppen : «berührend, handgestrickt, auf einer sehr ungefähren Tradition fussend, oft ein wenig lächerlich». Oder es wird das Netzwerk Tsena Malalaka vorgestellt, wo sich bis heute Theologinnen aus Afrika und Europa austauschen.

Damit ist das Buch keine umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas. Dafür ist es dank persönlich gefärbten Erinnerungen und Geschichten ein lebendiges Nachschlagewerk.

Doris Strahm, Silvia Strahm (Hg.): «Mächtig stolz. 40 Jahre feministische Theologie und Frauen-Kirche-Bewegung in der Schweiz». eFeF-Verlag 2022; 303 Seiten; 38 Franken.

Die Rezensentin Antonia Moser war bis Ende September Redaktorin bei bref.