Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Was haben wir aus der Corona-Krise gelernt und wohin ist eigentlich die Seele verschwunden? Dies und mehr in den Fachbuch-Tipps von «bref», dem Magazin der Reformierten.

Die Pandemie als Lehrstück

Wer mehr über die Auswirkungen einer Pandemie auf die Gesellschaft wissen möchte, ist mit dem «Weissbuch Corona» gut bedient. Fachleute aus Kultur, Religion, Wirtschaft, Medizin und Recht analysieren darin die Monate seit dem Shutdown und legen dar, welche Konsequenzen aus den bisherigen Erfahrungen gezogen werden können. Die Herausgeber wollen damit einen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten, aber auch das gewonnene Wissen bündeln. Obwohl Corona eine globale Herausforderung ist, wurde der Fokus des Buches bewusst auf die Schweiz gelegt.

Beim Lesen der Lektüre wird deutlich, wie stark alle Bereiche des öffentlichen Lebens von der Pandemie betroffen sind. Konrad Schmid, Professor an der Theologischen Fakultät Zürich, beschäftigt sich in seinem Beitrag mit «Religion und Werte[n]». Die Bioethikerin und Vizepräsidentin der Corona-Taskforce, Samia Hurst-Majno, thematisiert Werte und Wertkonflikte und erörtert dabei die Frage : «Wenn wir uns zwischen verschiedenen Werten entscheiden müssen, wofür entscheiden wir uns und im Namen wovon ?» Inmitten der tagtäglichen Corona Berichterstattung bietet der Sammelband Einordnungen und zahlreiche Gedankenanstösse für die weitere Auseinandersetzung mit der Pandemie.

Frank Rühli, Andreas Thier (Hg.): «Weissbuch Corona. Die Schweiz nach der Pandemie. Befunde – Erkenntnisse – Perspektiven». NZZ Libro, Basel 2021; 270 Seiten; 39 Franken.

Herzdruckmassage für die Seele

Ein Buch über die Seele zu schreiben ist eine Herausforderung, der sich die evangelische Theologin Johanna Haberer gestellt hat. Die unlängst erschienene Publikation der Professorin für Christliche Publizistik trägt den Titel «Die Seele. Versuch einer Reanimation». Reanimation deshalb, weil die Autorin zum Schluss kommt, dass sich die Naturwissenschaft von dem Begriff «Seele» schon seit langem verabschiedet hat. Selbst die Theologie versuche diesen oft zu ersetzen, um mit anderen Disziplinen im Gespräch und daher in der Begrifflichkeit kompatibel zu sein.

Haberers Buch liest sich denn auch als ein Plädoyer zur Rettung der «Seele» und deutet dabei den Begriff als elementare Lebenskraft, die den Menschen ausmacht und mit anderen Wesen verbindet. Das bloss zehn mal fünfzehn Zentimeter kleine Buch ist eine Begriffsgeschichte der Seele und beleuchtet das Verständnis im jüdischen und christlichen Kontext, in der geistlichen Musik, der Philosophie und der Psychotherapie. Eigens ein Kapitel hat die Autorin der Digitalisierung und deren Auswirkungen auf die menschliche Seele gewidmet, ebenso der christlichen Schuldgeschichte, in der die Kirche bestimmten Geschöpfen eine Seele zuerkannt hat – und anderen abgesprochen. Verständlich und gut lesbar lädt Johanna Haberer mit ihren Streiflichtern zum Nachdenken über einen jahrtausendalten, universalen Begriff ein.

Johanna Haberer: «Die Seele. Versuch einer Reanimation». Claudius, München 2021; 152 Seiten; 23 Franken.

Die Rezensentin Andrea Aebi ist Pfarrerin und stellvertretende Geschäftsführerin der Reformierten Medien, die auch bref herausgeben.