Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Woher kommt die Lust am Leid anderer Menschen sowie an der Selbstzerstörung und wie kann die Geschichte der Arche weitererzählt werden? Um diese und weitere Fragen geht es in den theologischen Fachbuch-Tipps von bref, dem Magazin der Reformierten.

Die Lust an der Zerstörung

Gaffer, die bei Unfällen tatenlos zusehen oder die Opfer filmen, Hetzer,die in den Social Media Hass streuen, oder Raser, die im Risiko den emotionalen Kick suchen: Solche Schlagzeilen häufen sich, unsere Gesellschaft scheint zunehmend auf Krawall gebürstet. Die Psychologen Peter Fischer und Eva Lermer suchen in ihrem aktuellen Buch Das Unbehagen im Frieden nach Erklärungen für die immer wieder beobachtbare Lust am Leid anderer Menschen und an der Selbstzerstörung. Sie gehen dabei auch der Frage nach, weshalb Menschen Konflikte suchen und welche Faktoren ein risikofreudiges Verhalten begünstigen. In elf Kapiteln erörtert das Autorenduo zunächst Grundsätze menschlichen Verhaltens, in der Gruppe und als Individuum. Im zweiten Teil des Buches präsentieren sie Strategien, mit denen spezifische psychologische Verhaltensmuster, die zur gesellschaftlichen Destruktivität und zur Sehnsucht nach Extremsituationen beitragen, besser verstanden und durchbrochen werden können. Neunzig Jahre nach Sigmund Freuds Abhandlung Das Unbehagen in der Kultur treffen Peter Fischer und Eva Lermer mit ihrer Analyse den Nerv unserer Zeit.

Peter Fischer, Eva Lermer: Das Unbehagen im Frieden. Die neue Lust am Leid. Claudius, München 2018; 157 Seiten; 25.90 Franken.

Die Arche der Fabelwesen

Der Kinderbuchautor Heinz Janisch knüpft mit seiner poetisch-phantastischen Erzählung an die biblische Geschichte der Sintflut. Sein Protagonist heisst Alef. Dieser ist immer etwas langsam und wird daher oft übergangen. So kommt es, dass er die Abfahrt von Noahs Archever passt. Durch die dunklen Regenwolken  sieht er das Schiff gerade noch am Horizont verschwinden. Bald aber bemerkt Alef, dass er nicht alleine am Ufer zurückgeblieben ist. Dem Einhorn, den Zentauren, dem Drachen und anderen Fabelwesen ist es ebenso ergangen. Also bauen sie miteinander eine zweite Arche und brechen auf. Nach vierundvierzig Tagen und Nächten ist die Flut vorbei und ihre Arche ist im Heute, mitten in einer Stadt gelandet. Die märchenhafte Geschichte von Janisch hat der Künstler Hannes Binder mit seiner unverwechselbaren Schabkarton-Technik illustriert. Die starken Bilder lassen die Betrachter in die Erzählung eintauchen und nehmen sie auf diese märchenhafte Reise mit. Das Bilderbuch ist eine wunderbar verträumte Hommage  an die Kraft eines respektvollen Miteinanders.

Hannes Binder, Heinz Janisch: Die zweite Arche. Atlantis, Zürich 2019; 32 Seiten; 24.90 Franken.

Die Rezensentin Andrea Aebi ist Pfarrerin und stellvertretende Geschäftsführerin der Reformierten Medien, die auch bref herausgeben.