Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Ab wann ist eine Ausrede eine Lüge und wie spirituell kann Verzicht sein? Um diese und weitere Fragen geht es in den theologischen Fachbuch-Tipps von bref, dem Magazin der Reformierten.

Eine Lügengeschichte

Wo die elegante Ausrede endet und die glatte Lüge anfängt, darüber scheiden sich von jeher die Geister. In der Anthologie Die Lüge lässt die Philosophin Maria-Sibylla Lotter Philosophen und Theologen zu Wort kommen, die in den letzten Jahrtausenden über das Phänomen Lüge nachgedacht haben.

Lotter erklärt bereits in der Einleitung, «wie unrealistisch die verbreitete, aber viel zu vereinfachte Vorstellung von Moral als einem System von kohärenten und konsistenten Normen und Regeln ist». Kurz: Die Lüge gibt es nicht.

Lehrreich hierzu ist auch die Einleitung des Theologen Martin Rösel zum Kapitel über die Theologie. Er zeigt auf, dass die Rede von der Lüge in der Bibel nicht einheitlich ist. So gesellen sich neben das achte Gebot, das lügen vor Gericht untersagt, auch Erzählungen wie jene der Hebammen Schifra und Pua. Um das Leben Neugeborener zu retten, lügen sie dem Pharao geradewegs ins Gesicht – und werden von Gott belohnt.

Allen Kapiteln stellt Lotter eine übersichtliche Einleitung voran, was für die Verortung der zahlreichen Quellen hilfreich ist. Das kompakte Werk erlaubt eine differenzierte Perspektive auf ein Thema, das in unseren Tagen heiss verhandelt wird.

Maria-Sibylla Lotter (Hg.): Die Lüge. Texte von der Antike bis in die Gegenwart. Reclam, Ditzingen 2017; 407 Seiten; 17.90 Franken. Der Rezensent Tobias Zehnder ist Redaktor bei bref.


Minimalistische Spiritualität

Nicht nur in der Passionszeit liegt Verzicht im Trend. «Weniger zu haben und weniger zu verbrauchen gilt als neuer Luxus», schreibt der Theologe Uwe Habenicht in seinem Buch Leben mit leichtem Gepäck. Eine minimalistische Spiritualität. Den genügsamen Ansatz seiner Spiritualität entlehnt er einer Kunstströmung aus den sechziger Jahren, bei der mittels Reduktion und Vereinfachung das Wesentliche freigelegt werden sollte.

Bei Habenichts Buch handelt es sich allerdings nicht um einen weiteren Ratgeber zur Verzichtsethik. Vielmehr spürt es minimalistische Spiritualität in Kirchengeschichte und Theologie auf, um diese für das «multireligiöse global village des 21. Jahrhunderts » nützlich zu machen.

Als Beispiel dienen etwa die ägyptischen Wüstenväter, für die Verzicht ein spiritueller Lebensstil war. Bei Bonhoeffer wiederum rückt der Minimalismus in den Hintergrund, dafür wird die politische Dimension von Spiritualität aufgenommen. So soll Bonhoeffer öfter gesagt haben: «Nur wer für Juden schreit, darf gregorianisch singen.» Leben mit leichtem Gepäck ist also jedem empfohlen, der sich mit den Themen Spiritualität und Verzicht vertraut machen möchte.

Uwe Habenicht: Leben mit leichtem Gepäck. Eine minimalistische Spiritualität. Echter, Würzburg 2018; 173 Seiten; 21.90 Franken.


Die Tipps stammen von Tobias Zehnder und sind erstmals in bref erschienen, dem Magazin der Reformierten. Es kann hier abonniert werden.