Landeskirche Uri kommt nicht zur Ruhe

An der Herbstversammlung der evangelisch-reformierten Landeskirche Uri drohten Kirchenmitglieder dem Kirchenrat mit einem Disziplinarverfahren. Sie fühlen sich von der Leitung nicht ernst genommen.

Die Evangelisch-Reformierte Landeskirche Uri ist etwa so gross wie eine mittlere Kirchgemeinde in traditionell reformierten Kantonen. Bild: Reformierte Kirche Altdorf.
55 Stimmberechtigte nahmen an der Herbstversammlung in Altdorf teil. (Bild: Evangelisch-Reformierte Kirche Uri)

In der reformierten Landeskirche Uri herrscht weiterhin Zwist. Mehrere Kirchenmitglieder verlangten an der Herbstversammlung am 18. November in Altdorf ein Disziplinarverfahren gegen den amtierenden Kirchenrat. «Meinungen der Mitglieder werden an den Versammlungen übergangen, die Werte und das Ziel der Kirche missachtet», begründete ein Kirchenmitglied laut einem Bericht der Luzerner Zeitung vom 19. November den Antrag. Das Vertrauen in die Behörde sei auf einem Tiefstand.

Schon länger brodelt es in der reformierten Kirche des Kantons Uri. Zum Zerwürfnis einiger Kirchenmitglieder mit dem Kirchenrat ist es unter anderem nach der Freistellung einer Pfarrerin durch den Kirchenrat gekommen. Eine Gruppe mit dem Namen «Zukunft unserer Kirche» (ZUK) beabsichtigte an der Frühjahrsversammlung 2019, die Kündigung mittels eines Antrages rückgängig zu machen. Sie scheiterte jedoch aus formalen Gründen, wie der Bote der Urschweiz berichtete.

Keine Medienpräsenz erwünscht

An der Herbstversammlung wurde nun schliesslich das Disziplinarverfahren von Mitgliedern aus der ZUK-Gruppe gefordert. Ob allerdings die Kündigung der Pfarrerin den Ausschlag für den Antrag gab oder andere Gründe dafür verantwortlich sind, bleibt unklar. Auf Anfrage von ref.ch teilte ein ZUK-Mitglied schriftlich mit, dass man zurzeit keine weitere Medienpräsenz wünsche.

Auskunftsfreudiger zeigt sich Kirchenratspräsidentin Felicitas Schweizer. Zwar möchte sie sich nicht konkret zum Zerwürfnis äussern, sagt aber auf Anfrage von ref.ch: «Grundsätzlich kann man sagen, dass die Wurzeln der Probleme im Zusammenschluss der drei Kirchgemeinden liegen.» So schlossen sich im Jahr 2014 die Kirchgemeinden Altdorf, Erstfeld und Ursern zu einer Kirchgemeinde Uri zusammen. Seither bildet die Landeskirche eine einzige Gemeinde, mit dem Kirchenrat als Exekutive. Offenbar hätten einige diese Fusion noch nicht verdaut und nun Mühe damit, dass sie Kompetenzen zum Beispiel bei Personalfragen abgeben mussten. Man hoffe jedoch, dass dank zwei neu eingestellten Pfarrern bald Ruhe in die Kirche einkehren werde.

Zumindest an der Herbstversammlung ist der grosse Eklat ausgeblieben. Nach einer längeren Diskussion kam es gar nicht erst zur Abstimmung über die Eröffnung eines Disziplinarverfahrens, wie die Luzerner Zeitung weiter berichtete. Der Antrag wurde wieder zurückgezogen. Man einigte sich darauf, die Wahlkommission zu beauftragen, Abklärungen vorzunehmen, ob allenfalls ein Kuratorium eingesetzt werden könnte.

Finanziell steht die Landeskirche Uri gut da. Für das Jahr 2020 rechnet die Kirche mit Mehreinnahmen von rund 75’000 Franken. Deshalb wurde entschieden, den Steuerfuss von bisher 120 auf neu 115 Prozent zu reduzieren. (bat)