Kirchlich Aktive weniger anfällig für Rechtsextremismus

Forscher der Universität Bern und der Universität Leipzig haben den Zusammenhang von Religiosität und Rechtsextremismus untersucht. Gerade in Ostdeutschland zeigt sich deutlich: Wer in die Kirche geht, denkt und wählt weniger rechtsextrem.


Eine Anbindung an die Kirche «immunisiert» gegen rechtsextreme Einstellungen, das ist das Resultat einer Studie des Religionsforschers Stefan Huber und des Religionssoziologen Alexander Yendell, wie es in einer Medienmitteilung vom 4. März heisst. Demnach sind Menschen, die in Ostdeutschland häufig den Gottesdienst besuchen und an kirchlichen Aktivitäten teilnehmen, deutlich seltener anfällig für rechtsextreme Einstellungen. Zudem wählen sie auch viel weniger die rechtspopulistische AfD als Menschen, die der Kirche nicht nahestehen.

In Ostdeutschland viele «radikale» Christen

Huber erklärt dies damit, «dass die kirchlich aktiven Menschen sich mit der offenen und toleranten Weltanschauung der Kirche identifizieren und eher zum Typus des radikalen Christen gehören, für den Nächstenliebe und Toleranz oberstes Gebot sind». Gerade in Ostdeutschland sei dies der Fall, wo die Kirche beim Fall der Mauer 1989 eine wichtige Rolle gespielt habe, aber nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung einer Religionsgemeinschaft angehören.

Abergläubische Menschen, die beispielsweise an Wahrsager oder Wunderheiler glauben, hätten hingegen in ganz Deutschland häufiger eine rechtsextreme Einstellung, so die Studie. Denn wer abergläubisch sei, habe oft einen Hang zu Verschwörungstheorien. Aberglauben und Verschwörungstheorien würden beide darauf basieren, dass die Welt in Gut und Böse eingeteilt wird und die Schuld für Missstände Fremden zugeschoben wird. Solche Verschwörungstheorien würden auch von Rechtsextremen propagiert, wie der Terroranschlag im deutschen Hanau gezeigt habe, so Huber.

Interreligiöser Dialog gegen Rechtsextremismus

Die Forscher betonen dabei, dass die evangelische und die katholische Kirche im Kampf gegen Rechtsextremismus wichtig seien: Weil sich die Kirchen für Migranten und interreligiösen Dialog einsetzten, könnten sie dazu beitragen, Vorurteile etwa gegenüber dem Islam abzubauen. (mos)