Kirchgemeinde Zürich soll fairer werden

Weniger Plastik, mehr Biomilch und Kaffee mit Fairtrade-Label: In einem Postulat wird die reformierte Kirchgemeinde Zürich aufgefordert, ihre «Chilekafis» ökologischer zu machen und sich mit einem speziellen Label zertifizieren zu lassen.

Reformierte Zürcher Kaffeemaschinen sollen bald nur noch mit Fairtrade-Bohnen befüllt werden. (Bild: KEYSTONE/DPA/Jan Haas)

In der reformierten Kirchgemeinde Zürich soll Kaffee bald ohne schlechtes Gewissen geschlürft werden. Deshalb haben Corinne Duc und Peter Simmen an der vergangenen Sitzung des Kirchgemeindeparlaments das Postulat «Faire Chilekafi» eingereicht. Darin wünschen sie sich ökologische Standards bei Kirchenkaffees.

Konkret fordern Duc, Simmen und weitere 24 Mitunterzeichnende, dass in der Kirchgemeinde Zürich ausschliesslich Kaffee mit Faire-Trade-Zertifikat sowie Bio-Kaffeerahm oder -milch oder vegane Alternativen verwendet werden. Auf nicht kompostierbares Plastikgeschirr soll verzichtet und bei der Verwendung von kompostierbarem Kunststoff auf die ökologische Entsorgungsweise im Biokompost hingewiesen werden.

Gedanken über Konsum

Zuerst möge die Umsetzung des Postulats eher als ein symbolischer Akt erscheinen. «Es soll dazu anregen, dass wir uns vermehrt über unser Konsumverhalten Gedanken machen», sagt Duc gegenüber ref.ch. Geht es nach ihr, könnte sich die Kirche auch im Bereich des Tierwohls stärker engagieren. «Indem der Konsum von Produkten aus tierischen Quellen allgemein gesenkt wird und Produkte eingekauft werden, die aus einer tierfreundlichen Haltung oder von biologischen Betrieben stammen.»

Allgemein sei zu wünschen, dass die Kirchgemeinde Zürich noch weiter an ihrer Nachhaltigkeit arbeiten würde. «Was Wärmedämmung in Liegenschaften und insbesondere die Umnutzung überzähliger Kirchen und Kirchenräume betrifft, haben wir einen weiten Weg vor uns», sagt Duc.

Zumindest mit dem Postulat sei nun ein erster Schritt gemacht. Da aus den Reihen der Parlamentsmitglieder kein Antrag zum Postulat eingegangen ist, gilt es als überwiesen. Die Kirchenpflege wird innert Jahresfrist ihren Bericht ausarbeiten.

Landeskirche zieht Umweltberater zu Hilfe

Nicht nur in der Kirchgemeinde Zürich, sondern auch in der Landeskirche ist Nachhaltigkeit ein Thema. Von oben herab verordnet wird sie den einzelnen Kirchgemeinden allerdings nicht. «Es gibt von unserer Seite keine ökologischen Vorschriften zu Kirchenkaffees, aber Empfehlungen», sagt Dieter Zaugg, Leiter Ressourcen.

Die Landeskirche selbst hat 2013 für ihre eigenen Strukturen eine Umweltberaterin engagiert, mit der interne Richtlinien für mehr Nachhaltigkeit definiert wurden. So werden unter anderem Kaffeemaschinen mit Fair-Trade-Kaffee befüllt. Bei Kursen und Schulungen kommen vorwiegend Kartonbecher zum Einsatz, Mitarbeitende benützen Porzellangeschirr oder Gläser und es werden Bio-Lebensmittel aufgetischt.

«Wir haben einen Katalog mit Lieferanten erstellt, bei denen Bio-Lebensmittel bezogen werden können», sagt Zaugg. Zudem beheizt die Landeskirche ihre Räume zu 100 Prozent mit Biogas und man habe vor den Gebäuden zusätzliche Veloständer montiert, um umweltfreundliche Mobilität zu fördern.

Grüner Güggel für mehr Nachhaltigkeit

Wer als Kirchgemeinde oder Landeskirche ökologischer werden möchte, kann sich beim Label Grüner Güggel des Vereins «oeku Kirche und Umwelt» beraten und zertifizieren lassen. Auch die Kirchgemeinde Zürich soll laut Postulat eine solche Zertifizierung anstreben. «Das ist ein erster Schritt. Es braucht aber klare Abläufe und Verantwortlichkeiten, die sicherstellen, dass Umweltfragen regelmässig bearbeitet werden», sagt Kurt Aufdereggen von der Fachstelle.

Der Weg zum Grünen Güggel erfolgt laut Aufdereggen in mehreren Schritten. Eine Umweltgruppe erarbeitet die wichtigsten Massnahmen. Dabei wird unter anderem angeschaut, wie die Kirchgemeinde Energie sparen kann. «Von Bedeutung ist hier die Heizung», sagt Aufdereggen. Wer diese entsprechend der Nutzung der kirchlichen Räume ein- und ausschaltet, könne viel Energie sparen. Eine automatische Heizungssteuerung helfe dabei.

Wichtig bei all diesen Massnahmen sei, dass in der Kirche vermittelt werde, welcher Sinn dahinter steckt. «Der Leitgedanke sollte der Blick auf die Schöpfung sein.»

Rund 1,5 Jahre dauert der Zertifizierungsprozess, bevor eine Kirchgemeinde das Label verwenden darf. Nach vier Jahren findet eine Rezertifizierung statt. 22 Kirchgemeinden – davon neun reformierte – haben bis heute den Prozess erfolgreich abgeschlossen. «Viele Kirchgemeinden haben bei der Bewahrung der Schöpfung sicher noch Luft nach oben», ist Aufdereggen überzeugt. (bat)

Hinweis: Im März 2020 beginnt ein neuer Lehrgang «Kirchliches Umweltmanagement» – Ausschreibung und Daten finden sich hier.